Trauermücken in Töpfen und Kübeln und wie man sie loswird

Die meisten Pflanzenliebhaber, die Zimmerpflanzen besitzen, Pflanzen aus Samen oder Stecklingen heranziehen oder Kübelpflanzen und anderes im Gewächshaus überwintern, kennen die taumeligen Flieger mit ihren langen, schlanken Beinen, die auffliegen, wenn man die Pflanzen gießt oder aus anderen Gründen bewegt. Die bis zu 4 mm großen Zweiflügler sind wenig beliebt, da ihre Larven in der Topferde leben und bei Massenauftreten Schäden an den Wurzeln anrichten können. Ohne voll funktionsfähige Wurzeln werden die Pflanzen fahl und schwächlich, bis sie schließlich eingehen. (zuletzt bearbeitet 5.01.2026)

Zimmerpflanze Fensterblatt im grünen Keramik-Übertropf und hellblaue Chamäleon-Kindergießkanne davor.
Trauermücken können im Freien, im Gewächshaus und an Pflanzen im Zimmer auftreten.
[Gießkanne von Amazon.de*]

Trauermücken sind alte Insekten. Es gibt sie schon seit 130 Mio. Jahren. Sie bilden eine Familie (Sciariae) innerhalb der Unterordnung der Mücken. Alleine in Europa gibt es mehr als 600 Arten Trauermücken.

Trauermücken in der Natur und in Pflanzgefäßen

Trauermücken spielen eine wichtige Rolle in den verschiedenen Ökosystemen. Die Larven sind wichtig für die Zersetzung von organischem Material in Wäldern, Mooren und anderswo und sowohl die Larven als auch die erwachsenen Trauermücken sind wichtig als Futter für Vögel und andere Tiere. An Menschen sind sie normalerweise nicht interessiert.

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Trauermücken sind zwar schlechte Flieger, aber sie lassen sich auch vom Wind oder auf Treibgut sitzend über das Wasser verbreiten. In unsere Wohnungen und Gewächshäuser schleppen wir sie jedoch meist mit Blumenerde, Topfpflanzen und Ähnlichem ein.

Trauermücken – Zyklus und Lebensweise von erwachsenen Trauermücken und Larven

Erwachsene Trauermücken ernähren sich von Flüssigkeiten, doch die bis zu 5 mm langen weißlichen Larven mit der schwarzen, glänzenden Kopfkapsel leben im Boden von organischen Material – je nach Art und Nahrungsangebot von abgestorbenem oder lebendem organischen Material, von Pflanzen oder von Pilzen stammend.

Trauermücken haben ein Paar Flügel, einen kleinen, nach unten versetzten Kopf mit Fühlern und die typischen langen Mückenbeine. (Bildquelle: Bradysia sp. von AfroBrazilian/Wikimedia, (Lizenz: CC BY-SA)

Bei Massenauftreten schädigen die Larven die Wurzeln von Sämlingen, Jungpflanzen, Stecklingen und auch älteren Pflanzen. Die betroffenen Pflanzen schwächeln, werden fahl und können eingehen. Die Larven übertragen zwar nach aktuellem Kenntnisstand keine Krankheiten, aber ihre Fraßstellen können dennoch Eintrittspforten für Krankheitserreger sein.

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Wegen ihrer bescheidenen Flugkünste und weil es mehr Weibchen (90 Prozent) als Männchen gibt, bleiben die Tiere schon als Larven beieinander. Manche Arten bilden sogar lange Larvenprozessionen, so verliert kein Individuum den Anschluss (und Fressfeine werden verwirrt, weil sie die Prozession für ein großes Tier halten).

Die Entwicklungsgeschwindigkeit vom Ei zum erwachsenen Tier und damit zur nächsten Generation ist wie bei allen Insekten von der Temperatur abhängig. Die Lebenszeit als erwachsene Tiere beträgt etwa 5 Tage. Nach der Paarung legen die Weibchen jeweils bis zu 200 Eier auf oder in den oberen Boden. Nur wenn die Erde in diesem Bereich recht feucht ist, können die nach etwa 5-8 Tagen schlüpfenden Larven aktiv werden. Bei trockener Erde sterben sie ab und werden durch Mikroorganismen zersetzt. Nach etwa 13 Tagen Larvenzeit verpuppen sich die Larven und aus den Puppen schlüpfen 5 bis 6 Tage später neue erwachsene Trauermücken. Der Kreislauf beginnt von vorne.

Zur Orientierung, wo die Trauermücken im Tierreich eingeordnet werden:
Klasse:
Insekten (Insecta) – das sind Häutungstiere, die als Erwachsene 3 Paare gegliederter Beine haben.
Überordnung:
Neuflügler (Neoptera) – das sind Fluginsekten, die ihre Flügel nach hinten umklappen können (das können Eintagsfliegen und Libellen nicht).
Ordnung:
Zweiflügler (Diptera) – zu dieser Ordnung gehören die Unterordnungen der Mücken und der Fliegen.
Unterordnung:
Mücken (Nematocera) – neben der Familie der Trauermücken gibt es in dieser Unterordnung Stechmücken, Kriebelmücken, Schnaken und viele andere Mückenfamilien.


Trauermücken von Topf- und Kübelpflanzen fernhalten und bekämpfen

Damit Topf- und Kübelpflanzen im Gewächshaus, im Zimmer und auf dem Balkon weitgehend von Trauermücken frei bleiben oder zumindest nicht geschädigt werden:

Keine Trauermücken einkaufen

Beim Einkaufen von Topfpflanzen sollte man auch die Blumenerde inspizieren. Sieht die so aus, als waren die Pflanzen zu oft zu nass gestanden, oder schwirren und krabbeln gar Trauermücken umher, sollte man die Pflanzen lieber stehen lassen.

Beim Kauf von Pflanzenerde sollte man nur intakte Säcke, die normal feucht sind (merkt man am Gewicht), vom Gartencenter oder Baumarkt mitnehmen. Auch zuhause sollte man die Blumenerde geschützt lagern und angebrochene Säcke gut verschließen.

Chili-Anzucht im Topf
Bei ungünstigen Anzuchtbedingungen können sich Trauermücken im Substrat stark vermehren.
Gelbtafeln und Gelbsticker

Mit beleimten Gelbtafeln zum Aufhängen oder Stickern, die in die Erde gesteckt werden, lassen sich geflügelte Blattläuse, Weiße Fliege, Trauermücken, Zikaden und einige andere Schädlinge anlocken und abfangen. So bemerkt man frühzeitig, welche Schädlinge unterwegs sind. Diese Klebefallen sind hilfreich bei der Befallsfeststellung, jedoch als Bekämpfungsmaßnahme alleine meist nicht ausreichend.

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Richtiges Gießen ist das A und O

Man sollte seine Pflanzen mit Bedacht und vorausschauend gießen und nie Wasser im Übertopf oder Untersetzer über längere Zeit stehen lassen. Die Erde sollte oberflächlich immer gut abtrocknen, bevor man wieder gießt. Das macht die geschlüpften Larven bewegungsunfähig und lässt sie absterben. Ein weiterer Vorteil von vorsichtigem Gießen: Zu viel Wasser führt zu Sauerstoffmangel im Wurzelbereich, was nur Sumpf- und Wasserpflanzen vertragen und was Trauermücken und andere Schadorganismen, die ein feuchtes Milieu bevorzugen, anzieht.

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Hausmittel gegen Trauermücken

Eines der Prinzipien der Hausmittel gegen Trauermücken: Trauermücken daran hindern, ihre Eier in feuchte Erde zu legen. Das kann man beispielsweise erreichen, indem man die Oberfläche der Topferde mit einer Sandschicht bedeckt. Sand lässt nämlich das Wasser durchlaufen und wenn Trauermücken ihre Eier darauf ablegen, trocknen die schlüpfenden Larven auf dem trocknenden Sand ebenfalls aus. Allerdings ist es mit einer Sandschicht schwieriger festzustellen, ob die Erde darunter noch feucht ist oder ob gegossen werden muss – erfahrene Hobbygärtner merken es am Gewicht, ansonsten kann ein Feuchtefühler helfen.

Biologische Bekämpfung von Trauermücken

…mit speziellen Bakterien
Bakterien des Stammes Bacillus thuringiensis subsp. israelensis wirken selektiv gegen Stechmücken- und Kriebelmückenlarven in Gewässern (auch in Regentonnen) sowie gegen Trauermückenlarven in Substraten. Die Bakterien geben ein Gift ab, das den Verdauungstrakt der Mückenlarven schädigt. Diese Bakterien gibt es als Pflanzenschutzpräparate zu kaufen, beispielsweise unter den Namen Neudomück Pro und Gnatrol SC. Diese Präparate dürfen aber nach den Vorgaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nur im Erwerbsgartenbau von beruflichen Anwendern angewendet werden. Sie haben keine Zulassung für den Haus- und Kleingarten.

…mit tierischen Nützlingen: SF-Nematoden
Nematoden der Art Steinernema feltiae sind winzige Fadenwürmer (unter 1 mm lang), die die Trauermückenlarven aktiv aufsuchen und mit einem Bakterium infizieren, wodurch diese sterben und sich zersetzen. Steinernema-Nematoden werden in Gel oder Tonmineral geliefert und mit dem Gießen ausgebracht. Am besten gießt man bei trübem Wetter. Wenn man sie bei Kübelpflanzen im kühlen Gewächshaus oder in einem ungeheizten Raum ausbringen möchte, sollte man bedenken: Die Substrattemperatur muss mindestens 12°C betragen, sonst sind die Nematoden nicht wirksam.

…mit tierischen Nützlingen: Raubmilben der Gattung Hypoaspis
Die Raubmilben Hypoaspis miles und H. aculeifer sind maximal 1 mm groß. Sie leben in der obersten Bodenschicht und jagen dort die Larven von Trauermücken, Sumpffliegen, Thripsen, Springschwänzen, Weichhautmilben. Man kann diese Raubmilben vorbeugend einsetzen, da sie notfalls auch mehrere Wochen hungern können. Die Raubmilben kann man beim Nützlingsanbieter bestellen und bekommt sie in einem Torf-Vermiculite-Gemisch, das man über die Topf- oder Kübelerde (im Gewächshaus auch auf den Boden unter dem Tisch) ausstreut.

Gezüchtete Nützlinge/Nutzorganismen erhält man direkt bei Nützlingsanbietern, beispielsweise bei Sautter und Stepper (nuetzlinge.de) oder man kauft Gutscheinkarten in Gartencentern und anderen Gartenfachbedarfsgeschäften/-Abteilungen und bestellt sie dann damit.

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Trauermückenbekämpfung mit Neem

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit erlaubt im Haus- und Kleingarten den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Basis von Azadirachtin, beispielsweise enthalten in Neem Bio-Schädlingsfrei, Bayer Garten Bio-Schädlingsfrei Neem, Spruzit TrauermückenFrei oder Etisso Schädlings-frei EC. Azadirachtin ist der Hauptbestandteil des Neemöls, das aus den gepressten Samen der Niembaums gewonnen wird. Der Wirkstoff ist allerdings nicht selektiv, sondern kann auch Fischen und Fischnährtieren, Marienkäfern, Florfliegen, Schwebfliegen und anderen Nützlingen schaden. Man sollte Neem also nur da anwenden, wo kein Kontakt mit diesen stattfindet und die Anwendungshinweise genau beachten. Diese Pflanzenschutzpräparate gibt es in Gartenfachgeschäften, Gartencentern und Ähnlichem.

Gelbtafeln* und Gelbsticker* für Topfpflanzen sowie fast alle der oben genannten Präparate und Nützlinge erhalten Sie auch bei Amazon.de*

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Ich mache Strom selbst – Teil 2

2022 habe ich den ersten kleinen Schritt in Richtung Photovoltaik getan: Ich hatte mir eine Solar-Powerbank angeschafft und ausführlich darüber sowie über die mögliche nächste Stufe einer mobilen flexiblen Lösung auf dem Balkon oder der Terrasse geschrieben. Im Jahr darauf bin ich den nächsten Schritt gegangen, allerdings kleiner und wesentlich preiswerter, als ursprünglich angedacht. 2025 ist ein weiteres Solarpanel dazugekommen.(ergänzt am 10.12.2025) (Werbung wegen Markennennungen, unbezahlt, alles selbst gekauft)

Getestet: tragbares Big Blue 28 Watt Solar-Ladegerät in Kombination mit einer INIU Power Bank mit 65 Watt
Neue Ausstattung zur Stromerzeugung: tragbares Big Blue 28 Watt Solar-Ladegerät in Kombination mit einer INIU Power Bank mit 65 Watt

In Teil 1 von Ich mache Strom habe ich meinen ersten Schritt, und was man allgemein zur Stromerzeugung auf Balkon und Terrasse wissen sollte, beschrieben. Einsteiger sollten da mit dem Lesen beginnen!

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Am Ende des Beitrages hatte ich den nächsten Schritt überlegt. Ich liebäugelte mit dem Big Blue 80 Watt Solar-Ladegerät in Kombination mit der reVolt 230 V Powerbank als Mini-Powerbank & Solar-Konverter o. Ä. Mir hatten es besonders die vielen Anschlussoptionen angetan: von USB-, über 12-Volt- bis zu 230-V-Geräten war alles dabei. Allerdings hätte eine solche Kombination mehrere Hundert Euro gekostet für einen (für mich persönlich) relativ kleinen Mehrwert, denn lediglich Kleingeräte mit max. 100 Watt wären damit zu speisen – also keine Kochplatte, Wasserkocher, Heizlüfter oder Föhn. Das erschien mir das Geld nicht wert. Deshalb machte ich erst einmal nur einen kleinen Schritt nach vorne und warte mit größeren Ausgaben noch die nächsten Entwicklungen bei der Stromversorgung über USB, sonstige (USB-)Spezifikationen, (USB-)Stecker-/Buchsentypen sowie Entwicklungen bei den Batterien/Akkus und den Verbrauchgeräten ab.

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Ich habe mir statt dessen ein tragbares Big Blue 28 W Solar-Ladegerät* und eine INIU Power Bank* mit 65 Watt angeschafft.

Vergleich der neuen Solaranlage mit externer Powerbank (oben) mit der alten Solar-Powerbank, bei der die Powerbank mit einem der Panel fest verbaut ist.

Meine neue mobile Solaranlage mit externer Powerbank hat eine wesentlich größere Solar-Panelfläche als die der Solar-Powerbank (HETP Solar-Powerbank*) vom letzten Jahr. Für die neue Anlage habe ich eine externe Powerbank dazugekauft. 

Der große Unterschied zwischen meiner alten und der neuen Photovoltaik-Lösung ist, dass in der kleinen alten Version die Powerbank und das Solarpanel miteinander fest verbaut sind, während bei der größeren neuen Version die Powerbank ein eigenes Gerät ist, die man sich nach persönlichen Wünschen dazu kaufen kann/muss. Der Vorteil ist, dass man nicht nur verschiedene Powerbanks (abwechselnd oder zwei gleichzeitig) zum Laden ankoppeln kann, sondern auch Stromverbraucher (Smartphone, Tablet, manche Notebooks etc.) direkt an das Solarpanel zum Laden anschließen kann, beispielsweise wenn man draußen arbeitet.

Big Blue 28 Watt Solar-Ladegerät

Am Big Blue 28 Watt Solar-Ladegerät befindet sich ein Amperemeter mit Digitalanzeige. Gleich darunter sind die beiden USB-Typ-A-Buchsen, an die man Geräte zum Laden anschließen kann, während das Gerät Sonnenenergie in Strom umwandelt.

Am Big Blue 28 Watt Solar-Ladegerät findet man hinter zwei Gummiabdeckungen jeweils eine USB-Typ-A-Buchse. Darüber ist die Digitalanzeige des Amperemeters (Stromstärke-Anzeiger) für die Solaranlage angebracht, die aber nur im Einsatz leuchtet. Die angezeigte Stromstärke hängt von der Sonneneinstrahlung, der Ausrichtung zur Sonne und den zapfenden Geräten ab.

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An die USB-Typ-A-Buchsen des Big Blue Solar-Ladegerät kann man zwei Stromverbraucher gleichzeitig hängen, wenn man will, beispielsweise zwei Smartphones – über jede Buchse kann man 5 V und maximal 2,4 A, zusammen aber maximal 4 A  abrufen.

Da ich mein Smartphone und ähnliche Geräte nicht auf der leicht zugänglichen, sehr heißen Südterrasse liegen lassen will, während ich in der Wohnung arbeite, tanke ich während der Sonnenstunden lieber eine Powerbank auf, mit der ich nachts meine Geräte in der Wohnung auflade.

Die Solarzellen des Big Blue 28 Watt sollen bis zu 21,5% – 24% der Sonnenenergie in Strom umwandeln.

Die Ampere-Digitalanzeige am Big Blue hilft, die Funktionsfähigkeit und die Auslastung des Gerätes zu kontrollieren sowie bei der Ausrichtung der Panel zum Lichteinfall.

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Big Blue arbeitet in einem Temperaturbereich von 60 °C bis etwa -10 °C, so schreibt BigBlue-DE auf eine Frage bei Amazon.de.

Die 28 Watt des Big Blue sind ein theoretischer Wert laut Auskunft von BigBlue-EU bei Amazon.de auf eine diesbezügliche Anfrage: J, jedes Panel habe 3,3V*2,12A≈7W; 4 Panel machen 7 W * 4=28 W. Wegen Verlusten könne das Produkt circa 20 W ausgegeben.

Daten des Big Blue 28 W Solar-Ladegerätes laut Angebot bei Amazon.de
Solarpanel mit eingebautem Chip für Ladestabilität und digitalem Amperemeter
2 Ports USB-Typ-A mit zusammen maximal 5V/4A zum Wiederaufladen von Mobiltelefonen, Tablets, Kameras, Powerbanks etc.
Intelligentes Laden mit Smart IC-Technologie
Eingangsspannung: 5 Volt
Ampere: 2,4 Ampere pro Port, maximal 4 A insgesamt
Schutz: IPX4 (Schutz gegen allseitiges Spritzwasser).
Größe: gefaltet 28.2x16x3.4 cm, geöffnet 84×28.2×0.5 cm
Gewicht: 671 g
Bezahlt: 65,59 Euro

Im Lieferumfang waren bei mir enthalten: 1 Typ-C-Kabel (USB-Typ-A-Stecker für die Big-Blue-Seite, USB-Typ-C-Stecker für die  Verbraucherseite), Karabinerhaken, Bedienungsanleitung. Kabel für Verbrauchergeräte mit anderen Steckern muss man selbst kaufen.

Die INIU Power Bank mit 65 Watt

Ich bin keine Expertin für Powerbanks oder für die Abstimmung der Powerbank auf ein Solar-Ladegerät, doch nach reichlichem Vergleichen schien mi die INIU Powerbank vom Preisleistungs-Verhältnis für meine Bedürfnisse und zum Big Blue 28 W passend (wenn jemand bessere Vorschläge hat, immer her damit).

Auf der Oberseite hat die INIU Power Bank eine digitale Anzeige über den verbleibenden Rest der Batterieladung in Prozent. Darunter, an der Schmalseite finden sich die Eingangs- und Ausgangsports (In- und Out-Buchsen)

Die Buchsen an der neuen Powerbank von links nach rechts:
In/Out1 (In 40 W, Out max 65 W): USB-Typ-C-Buchse
Out2 (30 W): USB-Typ-C-Buchse
Out3 (22,5 W): USB-Typ-A-Buchse
Die digitale „Restfüllstandsanzeige“ darüber schaltet sich ein, wenn man den Schalter an der Seite betätigt oder man ein Gerät anschließt.

An die In/Out1-USB-Typ-C-Buchse schließe ich das oben erwähnte Typ-C-Kabel von Big Blue an, wenn ich auflade (In: max 45 W). Das ist auch die Buchse, um später einen Laptop, beispielsweise das MacBook Pro, aufzuladen (Out: max 65 W). Die Buchse nutze ich auch, um das iPad mit der Powerbank zu aufzuladen (Out).
Die Out2-USB-Typ-C-Buchse gibt Strom an Verbraucher mit max. 30 W ab.
Die Out3 USB-Typ A-Buchse ist für ältere Geräte mit maximal 22,5 Watt gedacht.
[In/Out1 und Out2 sind mit PD (Power Delivery – Scnellladung) gekennzeichnet]

Sonstige Daten der INIU Power Bank mit 65 Watt
Kapazität: 25000 mAh
Laut Amazon.de werden die Schnell-Ladeprotokolle PD 3.0, QC 4+, Samsung Super Fast Charging und andere unterstützt.
Größe: 149 * 73 * 34 mm
Gewicht: 475 g
Bezahlt: 54,98 Euro inkl. USt

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Die „Restfüllstandsanzeige“ darüber schaltet sich ein, wenn man ein Gerät zum Laden anschließt.

Im Lieferumfang sind enthalten:
1 Beutel
1 Powerbank
1 Kabel USB-Typ-C nach USB-Typ-C1 Kabel USB-Typ-A nach USB-Typ-C

Beobachtungen und Vergleiche

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Die gesamten Solarpanel der „alten“ Solar-Powerbank haben max. 6 W Solarleistung (ich habe keine Angabe zu eventuellen Verlusten).

Das Big Blue Solar-Ladegerät hat theoretisch 28 Watt, aber in der Praxis wurden bis 20 Watt gemessen, wenn beide Ports gleichzeitig genutzt wurden. Wenn man wie ich meistens nur 1 Verbraucher (die externe Powerbank) in der Sonne dranhängt, sind es ca. 10 Watt Solarleistung. [Ich plane, demnächst zwei Powerbanks gleichzeitig anzuhängen und werde die Erfahrungen, so sie interessant sind, hier nachliefern].

Wie lange dauert es, meine neue Powerbank (25000mAh) mit Big Blue 28 W aufzuladen:
Spannung (V) x Stromstärke (A) = Leistung (W)
Leistung in W ist der Energieumsatz in einer bestimmten Zeitspanne
25.000 mAh = 25 Ah (Ampere * Stunde = Maßeinheit für die elektrische Ladung) kann die neue Powerbank theoretisch speichern. Standard-USB darf 5 Volt Stromspannung nutzen, daraus folgt: 

25 Ah entspricht 25 Ah * 5 Volt = 125 Wh (Leistung mit Zeit als Faktor)

Wenn die digitale Ampere-Anzeige (Stromstärke) des Big Blue 28 W beispielsweise 2 anzeigt (bis 2,4 A sind an jedem Port möglich, zusammen aber max. 4 A), dann entspricht das

2 A x 5 V = 10 Watt (Leistung). [Hängt man zwei Geräte dran, sind bis zu 4 A bei 5 Volt möglich, also 20 Watt.]

Rechnet man 25 Ah / 2 A = 12,5 h (h = Stunden). Somit dauert das Aufladen etwa 12,5 Sonnenstunden –  d. h. je nach Anzahl und Klarheit der Sonnenstunden, die am Tag ohne Wolken und ohne Beschattung verfügbar sind (abhängig von Standort, Jahreszeit, Tageszeit und Wetter) dauert es im Sommerhalbjahr etwa 2 – 5 Tage.

(Könnte man den Strom beider Buchsen des Solarpanels mit einem Verbraucher oder einer Powerbank verbinden (zusammen 4 A), dauerte es nur etwa die halbe Zeit).

Wie lange dauert es, meine alte Solar-Powerbank (Powerbank integriert) in der Sonne aufzuladen?

Die Speicherkapazität der Solar-Powerbank wird mit 26800 mAh = 26,8 Ah angegeben, also etwas mehr als die 25 Ah der neuen Powerbank, die ich als externen Speicher für Big Blue 28 Watt angeschafft habe.

Meiner Beobachtung nach dauert es etwa genauso lange, bis die alte Powerbank voll aufgeladen ist, wie das Aufladen der neuen externen Powerbank des Big Blue 28 W über einen der zwei Ports des Big Blue.

Abgeben kann die alte Solar-Powerbank über die beiden USB-Typ-A-Ports bei dem einem 5 Volt (Stromspannung) und 1 Ampere (Stromstärke), beim anderen 5 Volt und 2,1 Ampere.

Die kleine, handlichere Solar-Powerbank kann man im Winter leichter hinter der Glasscheibe auf der Fensterbank innen mit Sonnenenergie auftanken. Wie zuverlässig die Füllstandsanzeige (max. 4 leuchtende Punkte) an der alten Solar-Powerbank ist, scheint mir allerdings fraglich.

Fazit: Hat sich die Anschaffung gelohnt?

Ich finde ja:

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Mir erscheint die neue Ausstattung mit dem Big Blue Solar-Ladegerät und der externen INIU Power Bank wesentlich robuster. Die digitale Anzeige des integrierten Amperemeters am Big Blue Solar-Ladegerät hilft bei der Ausrichtung und dem Nachjustieren der Solarpanelfläche. Die Solarleistung von Big Blue 28 Watt ist mit realistischen 20 Watt größer als die der alten Solar-Powerbank mit 6 Watt Solarleistung.

Die neue Power Bank hat mit 25 Ah zwar eine etwas geringere Kapazität als die Solar-Powerbank mit 26,8 Ah, aber mit ihr kann ich Endgeräte wie iPad oder Mac Book Pro dank USB-C und PD wesentlich schneller laden. Die digitale Füllstandsanzeige an der neuen externen Powerbank zeigt an, wie viel Prozent der Kapazität noch verfügbar sind, um Geräte aufzuladen – das vermittelt mehr Vertrauen als ein paar leuchtende Lämpchen, vor allem, wenn man beim Laden eines Verbrauchers sieht, wie schnell die verbleibenden Prozente auf der Powerbank weniger werden (bei den leuchtenden Lämpchen der alten Solar-Powerbank erkennt man wesentlich später, ob etwas nicht funktioniert, da sich die Anzeige erst nach einer „Füllstandsänderung“ von 25 % verändert).

Die neue Powerbank kann ich gut mit dem im Lieferumfang enthaltenen Typ-C-Kabel (USB-Typ-A-Stecker für die Big-Blue-Seite, USB-Typ-C-Stecker für die Verbraucherseite) draußen mittels Big Blue Solar-Ladegerät aufladen.

Im praktischen Einsatz klappe ich das letzte Segment von Big Blue 28 Watt samt Amperemeter und angeschlossener Powerbank unter das letzte Solarpanel, damit sie vom Schatten und dem kühlen Plattenboden profitieren. Auf der anderen Seite lege ich abhängig vom Sonnenstand ebenfalls etwas drunter, um einen besseren Einfallswinkel zu haben.

Mit der Powerbank und dem in dessen Lieferumfang enthaltenen Kabel (Typ-C-Stecker auf beiden Seiten) lade ich dann anschließend nachts mein iPad oder andere Geräte auf.

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Mein iPhone lade ich wegen des Lightning-Anschlusses am iPhone derzeit weiterhin mit der alten Solar-Powerbank mit Hilfe eines Multifunktions-USB-Kabels/Universal Schnellladekabels 3 in 1 auf (Multifunktions-Ladekabel mit USB-Typ-A-Stecker an Ausgang von der Solar Powerbank und auf der anderen Seite zur Auswahl je nach Gerät, das geladen wird: Lightning-, Micro USB-, USB Typ C-Stecker).

Ob sich die Anschaffung auch finanziell lohnt, hängt nicht nur von der Leistung, sondern auch von der Lebensdauer der Geräte sowie vom Strompreis ab.

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Nachtrag vom 10.12.2025

Meine neueste und derzeit bevorzugte mobile Photovoltaik-Ausstattung besteht aus einem faltbaren 40W Solarpanel mit USB-A, USB-C und DC-Ausgang. Dieses Solar-Ladegerät eignet sich für Power Stations, Smartphones, Laptops beim Camping, Wandern, Reisen und ähnlichen Abenteuern. Ich habe es bei Amazon.de gekauft. Es hat keinen Markennamen und stammt aus China. Auf der Verpackung stand 40W Outdoor Foldable Solar Panel, Modell: YXN-SP-L40W.
Ich finde es stabil und robust, ein paar Regentropfen hat es im vergangenen halben Jahr auch unbeschadet überstanden.
Etwas nachteilig ist meiner Meinung nach, dass es auf der Rückseite keine Tasche für eine Power Bank oder andere Utensilien hat.
Das gleiche Produkt mit der gleichen Ausstattung, wie ich sie habe, finde ich aktuell nicht bei Amazon.de, jedoch eines, das äußerlich gleich zu sein scheint und zusätzliche Konnektoren hat – und das zu einem günstigeren Preis (siehe 40W Faltbares Solarpanel ETFE*).

Mein neuestes 40W Outdoor Foldable Solar Panel ist seit etwa einem halben Jahr bei sonnigem Wetter auf der Südseiten-Terrasse im Einsatz.

Ich kombiniere das neue faltbare mobile Solarpanel meist mit einer INIU Powerbank mit 27000 mAh, 140 W.

Disclaimer

Ich berichte in diesem Blogbeitrag subjektiv und nach bestem Wissen und Gewissen über meine ersten Erfahrungen mit neu angeschafften Photovoltaik- und Stromspeicher-Geräten und wie ich sie verbinde und nutze. Ich gebe keine Garantie für die Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit der Angaben zur Thematik allgemein oder den Produkten im Speziellen. Jede Haftung ist ausgeschlossen.

  • Der Artikel ist unbeauftragt und unbezahlt von mir geschrieben. Alle Geräte und Anschlüsse habe ich selbst gekauft. Meine Arbeit versuche ich über Werbung zu finanzieren. Diese ist gekennzeichnet als Anzeigen, Werbelinks (*), Sponsor-Posts und Sponsored Posts.
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Behalten wir das Feuerbakterium unter Kontrolle?

Es begann mit dem Olivenbaumsterben im südlichen Italien. Ausgelöst wurde die Krankheit durch das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa), verbreitet durch Pflanzensaft saugende Zikaden. Dann wurde das Bakterium auch an anderen Pflanzen diagnostiziert, und nicht nur in Süditalien, sondern im ganzen Mittelmeerraum und darüber hinaus. Sogar in Deutschland wurde es schon gefunden. Wie geht es weiter.

Das Olivenbaumsterben, auch Olive Quick Decline Syndrome (OQDS) wurde in Europa zuerst 2013 in Süditalien an Olivenbäumen diagnostiziert: Die Blätter verfärbten sich, welkten und fielen ab – als hätten sie Wassermangel. Und tatsächlich ist es auch so: Zwar ist genügend Wasser vorhanden, es kann aber nicht in die Krone zu den Blättern geleitet werden, weil das Feuerbakterium die Leitungsbahnen besiedelt und verstopft hat. Ganze Triebe sterben ab und am Ende der Baum.

Olivenbaumsterben: Diese Bäume sind mit Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) befallen. Die Besitzer versuchen, die Ausbreitung des Bakteriums durch Absägen der Äste einzudämmen. (Bild: Sjor, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Olivenhain_mit_Xylella_fastidiosa_bei_Surano_LE_190710.jpg)
Olivenbaumsterben: Diese Olivenbäume (Olea europaea) sind vom Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) befallen. Die Besitzer versuchen, die Ausbreitung des Bakteriums durch Absägen der Äste einzudämmen. (Bild: Sjor, CC BY-SA 4.0 via Wikimedia Commons)

Ende 2013 waren etwa 8.000 Hektar in Süditalien betroffen, Anfang 2015 wurden dann etwa 230.000 ha befallene Olivenbäume gefällt und weitere Maßnahmen ergriffen, um die Ausbreitung zu verhindern. Seit dem sollen viele Millionen Olivenbäume alleine in Süditalien gefällt worden sein und viele weitere gelten als verloren (leider sind die Zahlenangaben der Quellen unsicher, oft nicht eindeutig einer Region oder Zeitspanne zuzuordnen).

Bald bedrohte die Krankheit auch den Olivenanbau in Frankreich, Spanien und Portugal. Ein Alptraum für Regionen, deren Landschaft traditionell von einer Pflanzenart als Kulturgut geprägt ist und deren Wirtschaft, Tourismus und Arbeitsmarkt davon abhängen. (Nebenbei: Außer in Europa wurde das Feuerbakterium unter anderem auch in Olivenanbaugebieten in Kalifornien, Argentinien und Brasilien nachgewiesen.)

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Das Feuerbakterium hat ein breites Wirtspflanzenspektrum

Das Feuerbakterium ist nicht auf Olivenbäume beschränkt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat wissenschaftliche Arbeiten sowie Ausbruchsmeldungen (aus Europhyt – Warnsystem der Europäischen Union) ausgewertet und zwischen 451 bis 712 potenzielle Wirtspflanzenarten identifiziert (je nachdem welche Analysemethoden/-Kombinationen als Nachweis herangezogen werden und ob künstliche Infektionen mitgezählt werden). Die Wirtspflanzenarten verteilen sich auf etwa 200 bis 300 Gattungen in etwa 70 bis 90 Pflanzenfamilien.

Inzwischen vermutet man, dass das Olivenbaumsterben nicht der erste Ausbruch des Feuerbakteriums in Europa war, sondern dass bereits das Mandelbaumsterben auf Mallorca durch dieses Bakterium verursacht wurde, welches mit Pflanzenmaterial 1996 aus Kalifornien nach Europa gelangte. 

Das Feuerbakterium

Das Feuerbakterium stammt aus Nord-, Mittel und Südamerika. Es gilt laut EU-Kommission als eines der gefährlichsten pflanzenschädlichen Bakterien weltweit. In der EU kann es beispielsweise den Ertrag von Oliven, Citrus, Mandeln und Trauben sehr stark beeinträchtigen und damit viele Arbeitsplätze gefährden. Hinzu kommt, dass geringere Erntemengen zu einem höheren Preis für die Konsumentinnen und Konsumenten führen.

Systematik des Feuerbakteriums
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Lysobacterales
Familie: Lysobacteraceae
Gattung: Xylella
Art: Xylella fastidiosa
Unterarten und Variationen


Unterarten und Diagnose des Feuerbakteriums

Ob und wie schnell sichtbare Symptome oder gar ein Absterben der Pflanze auftreten, ist von der Pflanzenart, der Stärke der Infektion, den beteiligten Unterarten des Bakteriums (Xylella fastidiosa subsp. fastidiosa, X. fastidiosa subsp. pauca, X. fastidiosa subsp. multiplex, X. fastidiosa subsp. morusX. fastidiosa subsp. sandyi und X. fastidiosa subsp. tashke, von denen es jeweils noch Variationen gibt, sowie dem örtlichen Klima abhängig. (Eine weitere Art von Xylella, Xylella taiwanensis, ist in Taiwan diagnostiziert worden, wo sie Blattverbrennungen bei Birnbäumen verursacht. Auch die Unterart X. fastidiosa subsp. fastidiosa gibt es in Taiwan.)

Eine sichere Diagnose eines Befalls mit Feuerbakterium ist nur im Labor mittels molekularbiologischer Testverfahren möglich.

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Nicht verwechseln: Feuerbakterium und Feuerbrand

Beide Bakterienkrankheiten sind Quarantäneschadorganismen und müssen sehr ernst genommen werden.

Das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) gehört zur Familie Lysobacteraceae. Es wird über einen Pflanzensaft saugenden Vektor (beispielsweise die Wiesenschaumzikade) auf Pflanzenarten aus sehr vielen Pflanzenfamilien übertragen und schädigt sie durch den Befall des Xylems, wodurch dieses verstopft und kein Wasser mit den enthaltenen Nährstoffen mehr nach oben leiten kann. Pflanzen oder Pflanzenteile welken und sterben ab.

Vom Feuerbakterium befallener Oleander (Nerium oleander). (Bild: Pompilid, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)
Vom Feuerbakterium befallener Oleander (Nerium oleander). (Bild: Pompilid, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Im Gegensatz dazu gehört der Erreger des Feuerbrands (Erwinia amylovora) zur Familie der Enterobacteriaceae und befällt Pflanzen aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), besonders Kernobst wie Apfel (Malus), Birne (Pyrus), Quitte (Cydonia), Zierquitte (Chaenomeles), Weiß- und Rotdorn (Crateagus), Feuerdorn (Pyracantha), Vogelbeere (Sorbus), Zwergmispel (Cotoneaster) und Felsenbirne (Amelanchier). Die Verbreitung des Feuerbrands geschieht durch Bakterienschleim, der durch Wind, Regen, Insekten (Fliegen, Bienen, Wespen, Hummeln), Kleinsäugetiere, Vögel und den Menschen übertragen wird. Die Infektion findet über natürliche Eintrittspforten und Wunden statt. Am häufigsten ist die Infektion über die Blüten. Hinweis auf eine Erkrankung mit Feuerbrand sind die schwarz gefärbten Stiele der abgestorbenen Blüten und Blätter, dunkel gefärbte Hauptadern der Blätter, schwarz verfärbtes Gewebe sowie der Austritt von Bakterienschleim bei feucht-warmer Witterung. Noch krautige Triebspitzen krümmen sich oft nach unten.

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Ausbreitung des Feuerbakteriums

Bei manchen Pflanzenarten kann es Wochen oder Monate dauern, bis sich Symptome zeigen, so dass eine Ausbreitung lange unbemerkt bleiben kann. Nicht alle Pflanzenarten zeigen überhaupt Krankheitssymptome, aber sie können trotzdem Futter- und Bakterientankstelle für einen tierischen Überträger sein.

Im südlichen Europa gab es bereits zahlreiche Ausbrüche, beispielsweise in

  • Italien
    (Apulien: X. fastidiosa subsp. pauca, Toskana: X. fastidiosa subsp. multiplex)
    Diagnostiziert wurde das Feuerbakterium an Oliven, Reben, Mandeln, Kirschen sowie Pfriemenginster und Kreuzblume.
  • Frankreich
    (Korsika, PACA, Occitanie: X. fastidiosa subsp. multiplex, einmal auch X. fastidiosa subsp. pauca)
    Gefunden wurde das Feuerbakterium in Frankreich an Oliven, Lavendel, Importierten Kaffeepflanzen, und Kreuzblume.
  • Portugal
    (Porto: X. fastidiosa subsp. multiplex; Lissabon und  Algarve: X. fastidiosa)
    Diagnostiziert wurde das Feuerbakterium in Portugal an Olivenbäumen, Mandelbäumen, Korkeichen, Rosmarin, Lavendel, Strauch-Beifuß, Spargel, Großes Immergrün, Gemeine Myrte, Spiegelpflanze, Zwerg-Stechginster, Myrtenblättrigem Milchkraut, Italienischer Strohblume und anderen.
  • Spanien
    (Balearen: X. fastidiosa subsp. fastidiosa, X. fastidiosa subsp. multiplex,  X. fastidiosa subsp. pauca; Alicante, Madrid: X. fastidiosa subsp. multiplex)
    Diagnostiziert wurde das Feuerbakterium in Spanien an Süßkirschen, Olivenbäumen und Mandelbäumen.
  • Deutschland
    In Deutschland gab es bisher nur einen Fall, als das Feuerbakterium an einem im Gewächshaus überwinternden Oleander identifiziert wurde.

Quarantäneschadorganismus Feuerbakterium

Die Krankheit kann nicht geheilt werden. Wegen der möglichen Auswirkungen einer Ansiedelung und Ausbreitung gibt es Maßnahmen zum Schutz der EU gegen die Einschleppung und zur Verhinderung der Ausbreitung bei einem Auftreten des Feuerbakteriums. Diese sind seit 2020 durch die Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201 geregelt, welche die vorherige (EU) 2015/789 (bereits eine Verschärfung des Durchführungsbeschlusses 2014/87/EURATOM) ersetzt.

Eine Herausforderung bei der Ausrottung eines Befallsherdes und der Verhinderung der weiteren Ausbreitung ist, dass nicht nur Kulturpflanzen, sondern auch Gräser und Wildpflanzen zum Wirt des Bakteriums geworden sein können.

Wird ein Befall diagnostiziert und bestätigt, wird ein „abgegrenztes Gebiet“, bestehend aus Befallszone und Pufferzone, eingerichtet.

Für das weitere Vorgehen und Überwachen in den Zonen gibt es jeweils strenge Vorgaben, die sich sowohl auf die Wirtspflanzen (Kulturpflanzen, Beikräuter, Wildpflanzen) als auch auf die Überträger beziehen. Mit diesem Vorgehen konnten einige Ausbrüche komplett ausgelöscht werden, andere Ausbrüche kann man allerdings nur noch räumlich eingrenzen.

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Feuerbakterium in Sachsen

In Deutschland gab es 2016 den bisher einzigen Fall – es war ein Oleander, der mit anderen Kübelpflanzen zusammen in einer Gärtnerei in Sachsen zur Überwinterung im Gewächshaus stand. An ihm wurde die Feuerbakterium-Unterart X. fastidiosa subsp. fastidiosa diagnostiziert. Nach der vorsorglichen Vernichtung aller Pflanzen im Gewächshaus in 2017 und der intensiven Beobachtung auch der weiträumigen Umgebung nach den Vorschriften der strengen Quarantänemaßnahmen, wurde der Ausbruch 2018 als offiziell ausgelöscht gemeldet.

Neben Deutschland gelten auch Österreich, die Schweiz, Belgien, die Niederlande und Tschechien laut der Globalen Datenbank von EPPO (Pflanzenschutzorganisation für Europa und den Mittelmeerraum = European and Mediterranean Plant Protection Organisation) als befallsfrei. Der Befall auf dem französischen und dem spanischen Festland wird derzeit jeweils als vorübergehend aufgeführt – im Gegensatz zu deren Inseln Korsika und Balearen sowie Italien, für die der Erreger als „Vorhanden, Maßnahmen zur Beschränkung der Ausbreitung“ gelistet ist.

Obwohl die Lage für Deutschland derzeit gut aussieht, sollten wir ein waches Auge auf unsere Pflanzen haben, denn zum einen gibt es bei uns geeignete Wirtspflanzen, zum anderen auch Xylem-saugende Zikaden als Überträger. Die wegen des Klimawandels zunehmend milden Winter begünstigen wahrscheinlich beide, den Xylem-Saft saugenden Überträger und eine Ansiedlung und Ausbreitung des Feuerbakteriums. Eine Einschleppung und Ausbreitung könnte unter anderem den Steinobstanbau gefährden.

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Symptome einer Xylella-Infektion (Beispiele)

Erste Hinweise können beispielsweise sein:

  • Blattrandaufhellungen, dann Absterben (Oleander)
  • Blattspitzen- und Blattrandnekrosen (Kirschen)
  • Absterbeerscheinungen von der Blattspitze her, die sich auf die gesamte Blattfläche ausbreiten (braune Blätter), Welken (Oliven)
  • Früh erscheinende Blätter und Blüten, ungewöhnlich dichtes Laubkleid, herabhängende Seitentriebe, später Blattfall (Pfirsich)
  • Verkürzte Abstände zwischen den Blattansätzen, verringerter Fruchtansatz

Diese Symptome können aber auch Anzeichen für andere Probleme, möglicherweise sogar nur Pflegefehler, sein.

Frühe Entdeckung im großflächigen Anbau

Während wir im Garten die Pflanzen einigermaßen von oben bis unten begutachten und auf Probleme hin untersuchen können, werden im Plantagenanbau Lösungen zur schnellen Entdeckung von Infektionsherden gebraucht. So wurden beispielsweise in Süditalien trainierte Spürhunde und auf Mallorca Drohnen mit Spektralkameras eingesetzt, um Befallsherde früh zu entdecken. Ausgebildete Spürhunde können auch bei Einfuhrkontrollen eingesetzt werden.

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Beispiele für potenzielle Wirtspflanzen in unseren Breiten

Wein- und Obstanbau
Weinrebe: Rebstock-Krankheit „Pierce-Krankheit“ (Pierce’s Disease)
Kirsche: Blattrandnekrosen von der Spitze her
Pflaume: Blatt-Brand, Blattschäden (Leaf Scald Disease)
Mandel: Blatt-Brand (Almond Leaf Scorch)
Pfirsich: Falsche Pfirsichkrankheit (Phony Peach disease)
Maulbeere: Blatt-Brand (Leaf scorch)
Blaubeeren: Blatt-Brand (Leaf scorch)

Duft- und Gewürzpflanzen
Lavendel: Kümmerwuchs, Welken, Absterben
Rosmarin: Blattaufhellungen bis Verbräunungen

Krautige Pflanzen
Luzerne (Medicago sativa)

Kübelpflanzen
Oleander: Oleander-Blatt-Brand (Oleander Leaf Scorch)
Olivenbäumchen: Olivenbaumsterben (Olive Quick Decline Syndrome (OQDS))
Zitrus: Zitrus-Krebs oder Vielfältige Zitrus-Chlorose-Krankheit (Citrus Variegated Chlorosis Disease)
Kaffee: Kaffee-Blatt-Brand (Coffee Leaf Scorch)

Übertragung Feuerbakterium und Ablauf der Krankheit

Das Feuerbakterium wird von Pflanzensaft saugenden Insekten verbreitet. Genauer sind es meist Zikaden, die am Xylem (Holzteil) saugen (im Gegensatz zu den Schilf-Glasflügelzikaden, die Zuckerrüben, Kartoffeln und viele Gemüsearten über das Phloem (Siebteil) mit Bakterienkrankheiten wie SBR und Stolbur infizieren).

Zur Erinnerung: Das Xylem ist das Leitsystem für Wasser und Nährstoffe von unten nach oben. Über das Phloem (Siebteil) werden die durch die Photosynthese erzeugten organischen Nährstoffe (Assimilate) in den Pflanzen verteilt.

Ist das Xylem mit dem Feuerbakterium infiziert, kann es seine Aufgaben nicht mehr (oder nicht mehr optimal) ausführen. Die Folge sind Vergilben, Verbräunen und Absterben der Blätter sowie das Absterben der Triebe.

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In Europa gibt es 45 Arten von Schaum- und Schmuckzikaden, die theoretisch Überträger sein können. In Italien war die Wiesenschaumzikade (Philaenus spumarius) als Überträger von Feuerbakterium in Oliven von Bedeutung. Die Wiesenschaumzikade ist sehr anpassungsfähig. Sie ist in der ganzen Paläarktis (Europa, Nordafrika, Asien) heimisch, so auch in Deutschland. (In Nordamerika, Kanada, Neuseeland und anderen Regionen ist sie dagegen eingeschleppt worden.)

Biologie der Wiesenschaumzikade

Die etwa 6 mm lange erwachsene Wiesenschaumzikade fliegt ab Frühjahr. Sie kann laufen, fliegen und bis zu 70 cm hoch springen. Bisher sind 170 Nährpflanzen bekannt, deren Xylemsaft ihr schmeckt. Ihre Nahrung nimmt sie mit einem Saugrüssel auf, was die Pflanzen jedoch kaum beeinträchtigt. Problematisch ist, dass sie dabei an infizierten Pflanzen das Feuerbakterium und andere Pflanzenkrankheiten aufnehmen und sofort an die nächsten Pflanzen übertragen kann. Hat die Zikade das Feuerbakterium einmal aufgenommen, kann sie es bis zum Ende ihres Lebens weitergeben.

Zur Partnerfindung nutzen Wiesenschaumzikaden ihre Trommelorgane, deren Trommeln aber weder von Menschen (Frequenz) noch von ihnen selbst (keine Ohren) gehört werden, allerdings besitzen Zikaden Rezeptoren, die die Vibrationen wahrnehmen und zuordnen können.

Die weibliche Wiesenschaumzikade legt bis zu 400 Eier einzeln oder in Gruppen in Wiesen, oft auf dem Wiesenschaumkraut, ab. Die geschlüpften Larven erzeugen einen Schaum, in dessen Schutz sie sich entwickeln. Am Ende von fünf Larvenstadien („unvollständige“ Verwandlung, kein Puppenstadium) verlässt das Tier den Schaum als erwachsenes Insekt und lässt sich ein paar Tage trocknen, wobei es sich von grün nach bräunlich färbt, bevor es seine Nährpflanzen anfliegt und paarungsbereit ist.

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Natürliche Feinde der Wiesenschaumzikade

Die Wiesenschaumzikade hat viele natürliche Feinde. Daraus lässt sich auch ihre ökologische Bedeutung ableiten: Vögel wie Ammern, Auerhuhn, Rebhuhn, Mehlschwalbe, Saatkrähen, Drosseln und Stare, aber auch Grasfrösche, Käfer, Spinnen und andere schätzen sie als Nahrungsquelle.

Maßnahmen gegen die Wiesenschaumzikade

Die Wiesenschaumzikade verursacht in der Regel keine nennenswerten Schäden und wir können sie als wichtiges Element im Ökosystem betrachten. Wo es zu viele werden, beispielsweise in einem Staudenbeet und die natürlichen Gegenspieler zu wenig hungrig sind, kann man die Schaumnester mit dem Schlauch abspritzen, was die Larvenentwicklung stört und den Befall verringert.

Wenn es einen Ausbruch des Feuerbakteriums gibt, sieht die Lage anders aus: Die Bakteriose ist nicht heilbar und die Wiesenschaumzikade ist, nachdem sie das Feuerbakterium aufgenommen hat, sofort und für den Rest ihres Lebens Überträger.

Um eine Etablierung und Ausbreitung zu verhindern, gibt es die Meldepflicht und Durchführungsverordnung (EU) 2020/1201. Zu den Maßnahmen gehört auch die Verhinderung der Ausbreitung durch Vektoren.

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Forschungsprojekt ‚Beyond Xylella‘

Geforscht wird zu resistenten Sorten, zum Bakterium selbst, zum Monitoring der Wirtspflanzen (Kulturpflanzen, Beikräuter, Wildpflanzen), zur Biologie sowie zum Monitoring und der (biologischen) Bekämpfung der Wirts-/Überträgertiere.

Problematisch ist, dass manche Arten/Sorten keine Symptome zeigen und deshalb möglicherweise nicht entfernt werden. Doch die Zikaden können dort den Erreger aufnehmen und auf Pflanzen übertragen, die Symptome bis zum Absterben ausbilden. Ebenfalls wird geforscht, wie sich der fortschreitende Klimawandel wahrscheinlich auswirken wird und ob dies eine weitere Ausbreitung nach Norden wahrscheinlicher macht.

Für Baumschulen ist es überlegenswert, potenzielle Wirtspflanzen in der Umgebung gefährdeter Kulturen zu entfernen, sowie im Frühjahr den Rasen, Beikräuter und andere Vegetation kurz zu halten oder den Boden zu bearbeiten, was beides die Larvenentwicklung stört (Julius Kühn-Institut).

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Neue Herausforderung?

Ein in Nordamerika heimischer Xylella-Vektor, eine Schmuckzikade (Draeculacephala robinsoni), wurde 2021 in Spanien und Frankreich entdeckt.

Meldepflicht

Das Feuerbakterium (Xylella fastidiosa) ist ein Quarantäne-Schadorganismus und meldepflichtig. Verdächtige Funde in Bayern meldet man bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Pflanzenschutz:
Telefon: 08161 8640-3111
E-Mail: pflanzenpass@LfL.bayern.de

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Fazit

Auch wenn Deutschland derzeit frei von Feuerbakterium ist, sollten wir diesen neuen Quarantäne-Schadorganismen im Hinterkopf haben, wenn wir unsere Pflanzen bei Pflegearbeiten auf ihren Gesundheitszustand begutachten und uns etwas Ungewöhnliches auffällt.

Augen auf bei Kauf und Tausch

Ebenso kritisch sollte man beim Kauf oder Tausch von Pflanzen und Pflanzenteilen sein.

Keine pflanzlichen Mitbringsel aus dem Urlaub

Pflanzen aus Nicht-EU-Ländern oder aus einem, wegen einer Pflanzenkrankheit abgegrenzten Gebiet innerhalb der EU mit nach Hause zu bringen, sollte tabu sein, außer diese haben ein Zertifikat oder einen Pflanzenpass, der sie als sicher nicht infiziert ausweist.

Bilder mit möglichen Symptomen an vielen verschiedenen Pflanzen findet man in der EPPO Global Database (öffnet sich in neuem Fenster).

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Asiatische Hornisse

Die Asiatische Hornisse macht seit einiger Zeit Schlagzeilen. 2025 wurden auch in Bayern wieder Nester entdeckt und entfernt. Was hat es mit dieser eingeschleppten Art auf sich. Gefährdet sie Menschen, heimische Insekten und Honigbienen?

Eine Entwarnung gleich zu Anfang: Es handelt sich bei der „Asiatischen Hornisse“ nicht um die bis zu fünfmal so große Asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia), die in den USA 2020 von der Sensationspresse als so genannte Bienenkillerin gebrandmarkt wurde. Viele der Funde waren falsch bestimmt. So oder so: Die Riesenhornisse gibt es bei uns nicht.

„Zeigt her eure Füße, zeigt her …“

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) ist die einzige in Europa eingeführte Unterart von Vespa velutina. „Asiatische Hornisse“ ist der umgangssprachliche Name, laut der Liste invasiver gebietsfremder Arten der Europäischen Union heißt sie ausführlich „Asiatische Gelbfuß-Hornisse“. Und tatsächlich ist die Farbe ihrer Füße ein wichtiges Erkennungsmerkmal.

Die Asiatische Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) – Oberseite und Unterseite. (Bild: Didier Descouens [Muséum de Toulouse], CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons)

Die Asiatische Gelbfußhornisse

Die Asiatische Gelbfußhornisse gelangte über den globalen Handel ungewollt nach Europa. In Frankreich wurde sie 2004 zum ersten Mal entdeckt, seit 2014 weiß man, dass sie auch in Deutschland angekommen ist und sich ausbreitet. Beispiel Bayern: Im Herbst 2022 wurde die Asiatische Gelbfußhornisse zum ersten Mal in Bayern gesichtet – und zwar in Unterfranken, in Neuhütten im Landkreis Main-Spessart. 2023 waren es bereits fünf Nester, 2024 dann 17 Nester, hauptsächlich in der Grenzregion zu Hessen. 2025 sind es Stand heute (24. August) laut Karte bei beewarned.de (Projekt der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) bereits 10 Nester in Unterfranken und ein Nest in Mittelfranken.

Heimische Hornissen und ihre Verwandten

Die Unterfamilie der Echten Wespen (Vespinae) ist in Mitteleuropa mit elf Arten vertreten: Dazu gehören unter anderem die Deutsche Wespe (Vespula germanica), die Gemeine Wespe (Vespula vulgaris) sowie die heimische Hornisse (Vespa crabro).

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Die „Asiatische Hornisse“ im Vergleich zur heimischen Hornisse

Tatsächlich ist Vespa velutina eine kleinere Verwandte der Europäischen Hornisse (Vespa crabro) und hat ihre Heimat in Südostasien.

Die Asiatische Gelbfuß-Hornisse (Vespa velutina nigrithorax) baut ihre großen Sekundärnester vor allem in Baumwipfeln, manchmal wird aber auch das eher kleine Primärnest zu einem Sekundärnest erweitert. Ein Volk kann aus mehreren tausend Tieren bestehen. Die erwachsenen Tiere sind von oben auf den Rücken gesehen von Kopf bis Hinterleib dunkel gefärbt mit mehreren feinen und einem breiteren gelben Streifen auf dem Hinterleib. Auch die Antenne und die Beine sind von oben her gesehen dunkel, nur die Füße (Tarsen) und der Beinabschnitt jeweils darüber (Tibia) sind hell gelblich gefärbt.

Zum Vergleich: Die heimische Hornisse* baut ihre Nester gerne in regengeschützten, dunklen Hohlräumen, beispielsweise in Baumhöhlen, in Nistkästen, zugänglichen Dachstühlen und Ähnlichem. Die Nester sind viel kleiner, denn die Anzahl der Individuen pro Volk ist mit mehreren hundert niedriger als die der eingeschleppten Art. Die erwachsenen heimischen Hornissen sind von oben gesehen in der vorderen Hälfte (Kopf, Rumpf, Anfang des Hinterleibs) schwarz und rotbraun gefärbt, der hintere Teil dagegen ist auffällig gelb mit schwarzer Zeichnung. Die Beine der heimischen Hornisse sind rötlich braun.

Die Arbeiterinnen der Asiatischen Gelbfuß-Hornisse sind zwischen 17 und 24 Millimeter lang, die Königinnen erreichen eine Länge von etwa 30 Millimetern. Die Arbeiterinnen der heimischen Hornisse (Vespa crabro) sind 18 bis 25 Millimeter lang. Eine Königin der heimischen Hornisse kann bis zu 40 mm lang werden. Männliche Tiere erreichen 21 bis 28 Millimeter Länge.

Lebenszyklus der Asiatischen Hornisse im Vergleich zur heimischen Hornisse

Bei beiden Arten, den heimischen und den eingeschleppten Hornissen, sind es alljährlich die jungen überwinterten Königinnenn, die im Frühjahr mit dem Bau eines neuen Nestes beginnen. Zuerst wird ein Primärnest angelegt, beispielsweise in einem Strauch, einer Hecke oder geschützt in der Nähe von Häusern, mit der Eiablage begonnen und erste Arbeiterinnen aufgezogen. Wenn dieses Primärnest zu eng wird, wird das wesentlich größere Sekundärnest gebaut – von den heimischen Hornissen beispielsweise in einem Vogelnistkasten oder im Dachstuhl eines Hauses, dagegen ist das von der Asiatischen Gelbfußhornisse riesig, aber schwer zu entdecken und schwer erreichbar, weil es oft in Baumwipfeln hoher Bäume hängt. Werden die Sekundärnester im Sommer auch zu eng, werden „Filialen“ in der Nähe angelegt.

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Die Arbeiterinnen beider Arten ernähren sich selbst von Nektar, Honigtau, Früchten und Säften aus Rindenverletzungen und Ähnlichem. Die Larven beider Arten werden von den Arbeiterinnen jedoch mit erbeuteten Insekten oder anderen Gliederfüßlern gefüttert.

Im frühen Herbst wird die maximale Individuenzahl des Hornissenvolkes erreicht und ab da werden Geschlechtstiere (Königinnen und männliche Tiere) herangezogen, die später ausfliegen und sich paaren. Zum Winter hin sterben nach und nach alle Tiere außer den jungen begatteten Königinnen, die einen frostfreien Überwinterungsplatz aufsuchen. Im nächsten Frühjahr beginnt mit ihnen ein neuer Zyklus.

Speiseplan von Hornissen

Hornissen jagen unter anderem in der Nähe von Bienenstöcken. Dort greifen sie gezielt an- und abfliegende Bienen an, die für sie eine besonders wertvolle, eiweißreiche Nahrungsquelle darstellen. Hierbei scheinen die eingeschleppten Hornissen geschickter und effektiver als die einheimischen zu sein. Aber auch die Asiatische Hornisse ist nicht nur auf Honigbienen aus, sondern richtet sich nach dem saisonalen Angebot: Im Frühjahr erbeutet sie Schwebfliegen und Wildbienen, im Sommer die reichlich vorhandenen Honigbienen und im Herbst Fliegen und Wespen.

Gefahr für Menschen

Viele Menschen haben Angst vor Hornissen, tatsächlich sind deren Stiche in der Regel aber nicht gefährlicher als die von Wespen, das gilt auch für Stiche durch die Asiatische Gelbfuß-Hornisse. Aufpassen vor Stichen durch Hornissen ebenso wie durch Wespen sollten jedoch Allergiker: Bei etwa 2 bis 3 % der Bevölkerung können Hornissenstiche allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock hervorrufen – das gilt gleichermaßen für die heimische, als auch für die eingeschleppte asiatische Art. Vor Stichen schützen sollten sich/ man neben Allergikern auch Kinder und ältere oder geschwächte Menschen.

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Beide Hornissenarten sind in der Regel gegenüber Menschen eher scheu und friedfertig als angriffslustig – jedenfalls solange sie sich oder ihr Nest nicht bedroht sehen! Vom Nest der Asiatischen Gelbfußhornisse sollte man möglichst mehrere Meter Abstand halten, denn schon die Erschütterungen bei der Annäherung können die Tiere aggressiv werden lassen.

Gefahr für die heimische Hornisse

Eingeschleppte Arten werden nicht immer zur Gefahr für die ansässige Tier- und Pflanzenwelt, manche sterben bei starkem Frost wieder aus, andere haben Gegenspieler, die sie in Schach halten, oder können sich gegen die vorhandene heimische Konkurrenz nicht durchsetzen.

Unsere heimische Hornisse ist in Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ob eine Gefahr durch die Asiatische Gelbfuß-Hornisse für die heimische Hornisse besteht, ist meines Wissens noch nicht wissenschaftlich bewiesen, doch scheint es wahrscheinlich: Wegen ihrer hohen Individuenzahl pro Nest würde die eingeschleppte Art vermutlich zu einer starken Nahrungskonkurrenz für die heimischen Hornissen werden, wenn man nicht eingreift.

Gefahr für die Westliche Honigbiene und für heimische Bestäuber

Beide Hornissenarten, die heimische und die eingeschleppte, sind jedenfalls bei Imkern nicht besonders beliebt, da Hornissen (unter anderem auch) Bienen töten und verfüttern. Die neue asiatische Hornissenart ist jedoch besonders gefürchtet, weil die Völker größer sind und der Bienenanteil in deren Nahrung höher sein soll.

Dass die Asiatische Gelbfußhornisse bei ihrer Jagd auf unsere Honigbienen so erfolgreich ist, liegt daran, dass sie ein guter Jäger ist und die bei uns für die Honigproduktion gehaltene Westliche Honigbiene (Apis mellifera) weniger effektiv in der Abwehr von Hornissen ist als beispielsweise ihre asiatische Schwester, die Östliche Honigbiene (Apis cerana), in deren Heimat.

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Imker beunruhigt wegen der Asiatischen Hornisse

Darüber, ob die ungewollt eingeführte Asiatische Gelbfußhornisse eine große Gefahr für die Honigbienenhaltung ist, war man sich bis vor kurzem nicht einig. So war bei bienen.ch zu lesen: „Gesunde, starke Bienenvölker verkraften die durch die invasive Art verursachten Verluste gut, so dass meist nur schwache Völker sterben“. Verständlicherweise sind die Imker trotzdem in großer Sorge. Nach Varroamilbe, umstrittenen Pestiziden wie den Neonicotinoiden und anderen Problemen haben sie nun auch mit einem eingeschleppten „Raubtier“ zu kämpfen. Sind mehrere deren Nester in der Nähe eines Bienenstockes, kann dies zur Schwächung und sogar Existenzbedrohung eines Bienenvolkes führen.

Für Obst- und Gartenbau, die Landwirtschaft, Gärten, Landschaft usw. spielen auch die anderen Bestäuber und allgemein Gliederfüßler eine Rolle, die wie oben beschrieben, ebenfalls zur Beute der Hornissen zählen.

Laut einer Veröffentlichung des LWG im Praktischen Gartenratgeber 09/2025 soll der Obst- und Weinbau in Ländern wie Frankreich, Spanien und Portugal bereits unter der invasiven Hornissenart leiden.

Aus Sicht des Artenschutzes und der Förderung der Artenvielfalt muss man eine so geschickte Jägerin mit diesen hohen Individuenzahlen wie die Asiatische Hornisse wohl ebenfalls als wahrscheinlich negativ für viele Ökosysteme bewerten. (Unsere Versuche, Wildbienen mit Insektenhotels* und anderen Maßnahmen zu unterstützen, könnte sie ebenfalls torpedieren.)

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Was wurde getan, was ist zu tun

Vespa velutina nigrithorax ist eine in Mitteleuropa gebietsfremde Art mit laut Naturschutzbund (NABU) hohem invasiven Potential. Daher wird sie EU-weit zum Schutze der heimischen Biodiversität bekämpft.

2016 wurde Vespa velutina nigrithorax in die Schwarze Liste der unerwünschten Spezies der Europäischen Union (Liste invasiver gebietsfremder Arten von unionsweiter Bedeutung) aufgenommen.

Funde melden

Wer eine Asiatische Hornisse oder ein Nest mit diesen entdeckt, sollte den Fund melden. Ansprechpartner ist meist die Naturschutzbehörde des jeweiligen Landratsamtes.

In Bayern meldet man an das Institut für Bienenkunde und Imkerei an der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Informationen dazu gibt es hier vespavelutina.bayern.  Bei beewarned.de kann man die Funde online melden.

In Baden-Württemberg meldet man Funde auf der Meldeplattform der Landesanstalt für Umwelt.

Die Nester sollten nicht selbst entfernt, sondern durch Fachleute eindeutig identifiziert und entfernt werden. Dies wird in der Regel von der jeweiligen Meldestelle organisiert.

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naturgucker.de und der NABU haben zudem ein Projekt aufgesetzt, bei dem man mitwirken kann: Wer eine Asiatische Hornisse oder ein Nest sieht, kann seinen Fund dort melden. Alle Infos gibt es bei Meldeaktion Asiatische Hornisse.

Auch in der Forschung tut sich einiges: Der Einsatz von Pheromonen (Sexuallockstoffen) wird getestet. Allerdings sind Pheromone (in Pheromonfallen) in der Regel eher zum Monitoring der Entwicklung oder Feststellung von Insekten-Flugzeiten geeignet und weniger zur tatsächlichen Bekämpfung.

Man hat auch schon versucht, gefangenen Hornissen Sender umzuschnallen, um die Nester zu finden, was aber ebenfalls schwierig ist, weil die Tiere eine gewisse Größe haben müssen und die Batterien der Sender nicht sehr lange halten. Auch Verfahren mit Triangulation, um die Nester zu finden (gefangene Hornissen werden an verschiedenen Standorten freigelassen und verfolgt), scheinen bisher eher nicht allgemein praxistauglich zu sein.

Aussichten

Die Ansiedlung der Asiatischen Hornisse bei uns gilt als nicht mehr umkehrbar. Derzeit scheinen die Aufmerksamkeit der Imker und die der Bürger sowie die Meldung von entdeckten Tieren und Nestern sowie deren gezielte Zerstörung durch spezialisierte Fachleute die wichtigste Maßnahme zu sein, die Vermehrung und Ausbreitung unter Kontrolle zu halten.

Man fragt sich, ob unsere Westlichen Honigbienen nicht von den asiatischen Schwesterbienen lernen könnten, wie man die neuen Hornissen besser abwehrt: Zu deren  Repertoire gehört beispielsweise, dass sie sich, wenn sich eine Botschafterhornisse nähert, zusammentrommeln und die Hornisse zu hunderten überfallen. Sie umschließen die Hornisse wie ein Ball, erhöhen die Temperatur im Inneren durch intensive Flugmuskelaktivität, was gleichzeitig auch den Kohlendioxid-Gehalt in dem Bienenknäuel erhöht. Infolge überhitzt und erstickt die so angegriffene Hornisse.

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Ansonsten bleibt uns immer noch, die Larven und Puppen auf unseren Speiseplan zu setzen: In Teilen Chinas, in Thailand, Indonesien und in anderen Ländern werden diese gegessen.

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