Datenbanken versus Blockchain-Technologie

Überall hört man derzeit von Blockchains und der Blockchain-Technologie. Tauchten sie zunächst im Zusammenhang mit neuen, bankenunabhängigen Währungen wie Bitcoin und Ether/Ethereum auf, interessieren sich inzwischen auch viele andere Branchen dafür, beispielsweise Behörden und andere, die sich mit Identitätsmanagement befassen, Banken und Finanzdienstleister, Projekte, für die sich eine dezentrale Verwaltung anbietet wie Crowdworking-Gemeinschaften, Crowdfinanzierung, aber auch Produktzertifizierer, die eine Wertschöpfungskette schnell und zuverlässig prüfen können müssen. Aber was genau ist anders bei der Blockchain-Technologie gegenüber der Verwendung von Datenbanken, wie wir sie bisher kennen.

Auch bei der Blockchain-Technologie werden Daten festgehalten und gespeichert, jedoch nicht in der bisher gebräuchlichsten Form, in einem so genannten relationalen Datenbanksystem auf einem zentralen Server, sondern in einem entsprechend der Distributed Ledger Technology (DLT) verteilten System.

Relationale Datenbank und Blockchain-Technologie im Vergleich

Beim relationalen Datenbanksystem besteht eine Datenbank aus einer Sammlung von Tabellen mit Datensätzen, die nach einem bestimmten Beziehungschema (Relationenschema) aufgeführt und verknüpft werden. Relationale Datenbanksysteme werden oft mit der Datenbanksprache SQL definiert und bearbeitet.

Zentrale, relationale Datenbank

Relationale Datenbanken werden i.d.R. zentral auf speziellen Servern aufgesetzt. Die Kontrolle über die Nutzung durch andere hat, wem Server und Datenbanken gehören. Die Datenbank-AdministratorIn und andere mit den entsprechenden Rechten können Struktur und Inhalte der Datenbank verändern.

Eine Blockchain ist eine von verschiedenen Arten, wie ein Distributed Ledger (ein verteiltes Kontobuch/Journal/Logbuch) umgesetzt wird.

Für die DLT benötigt man

  • ein Datenmodell, das den derzeitigen Stand der „Buchführung“ wiedergibt,
  • eine Sprache für Transaktionen, die den Stand des Kassenbuches verändert. Dazu gehören auch so genannte Smart Contracts – die gibt es allerdings nicht bei der Bitcoin Blockchain, nur bei Ethereum und bei Hyperledger Frameworks)
  • ein Protokoll zur Feststellung der Übereinkunft zwischen den Teilnehmern (Consensus Algorithm), damit Transaktionen in einer vordefinierten Reihenfolge abgewickelt und eingetragen werden können.

Zur DLT und damit zur Blockchain-Technologie gehört außerdem ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P-Netzwerk), also ein dezentrales Netzwerk, über welches die Daten, bzw. die Blockchain verteilt wird.

P2P-Netzwerk aus gleichberechtigten Nodes

Übersicht: Relationale Datenbank versus Blockchain

Relationale Datenbank Blockchain
Die relationale Datenbank befindet sich i.d.R. zentral in einer Server-basierten Netzwerkarchitektur. Die Blockchain befindet sich auf allen Nodes in einem P2P-Netzwerk.
für zentralisierte Anwendungen für dezentralisierte Applikationen (dapp, Bitcoin gilt als erste dapp)
Mitarbeiter mit entsprechenden Rechten können bestehende Strukturen und Einträge verändern. Es gibt keine Möglichkeit für die Nodes-Besitzer, Struktur oder Daten unbemerkt zu verändern.
Vertrauen zur verwaltenden Instanz ist nötig. Das System kontrolliert sich selbst.
Eine relationale Datenbank in einer Server-basierten Architektur ist besonders angriffsgefährdet (Single Point of Attack). Durch die Replikation der gesamten Blockchain auf jeden Node im Netzwerk und andere Sicherheitsautomatismen gibt es keinen Single Point of Attack.

Die Blockchain selbst besteht, wie der Name Blockchain (= Blockkette) sagt, aus einer Kette von Blöcken. Diese Blöcke enthalten die Datensätze und sind jeweils mittels kryptographischer Verfahren miteinander verknüpft und geschützt.

Jede Blockchain beginnt mit einem Anfangsblock (Genesis Block), auf den der chronologisch nächste Block aufbaut, auf den wiederum der übernächste aufbaut und so weiter.

In jedem Block sind neben den Metadaten eine bis mehrere Transaktionen von Geld, Gütern oder Anderem gespeichert.

Eine Transaktion ist der Eintrag eines Vorgangs. Dazu wird eine digitale Signatur gebraucht. Die Einträge werden verifiziert, geordnet und gebündelt.

Die Metadaten der Blöcke – jeweils ein verschlüsselter Zeiger auf den vorhergehenden Block, ein Zeitstempel, ein Nachweis wie „Proof of Work“ und der Merkle Tree (baumartige Übersicht der Hashwerte der enthaltenen Datenblöcke) – stellen die Integrität der Daten sicher.

Durch Konsensverfahren im Netzwerk wird Einigkeit über die Transaktionsdaten bzw. über die Schaffung eines neuen Blocks erzielt, der dann an die Blockkette angehängt und im Netzwerk über die Nodes verteilt wird. So wird die Unveränderbarkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz durch das System selbst gewährleistet, Geschäftsprozesse und gesetzliche Auflagen können entsprechend modernisiert werden.

Anzeige


Wer sich mit einer Blockchain verbinden und Geld, Güter oder anderes übertragen können möchte, benötigt eine entsprechende Applikation.

Bitcoins - virtuelle Währung im InternetBeispiel Bitcoin:
Bei der seit 2009 existierenden Kryptowährung Bitcoin benötigt man eine Wallet-Applikation (Geldbörse), wenn man die Währung zur Bezahlung oder zum Kassieren nutzen möchte. Bei einer Übertragung, beispielsweise einer Bezahlung, wechselt das Geld virtuell von einer Geldbörse zu einer anderen. Das passiert ganz ohne Vermittler wie Banken o. Ä.

Die abgeschlossene Transaktion wird in der Blockchain angezeigt und wandert durch das ganze P2P-Netzwerk, welches in diesem Fall auf dem Bitcoin-Protokoll basiert, bis jeder Peer eine exakte Kopie der Blockchain hat.
Wer auf (s)einem Rechner genug Arbeitsspeicher, Speicherplatz sowie eine Breitbandanbindung hat und permanent online ist, kann ihn (nebenbei) als Node für das Bitcoin-Netzwerk zur Verfügung stellen. Dafür gibt es allerdings keine Gegenleistung.
Anders beim Bitcoin-Mining: Für die Entstehung von Bitcoins sind sogenannte Schürfer (Bitcoin-Miner) zuständig. Sie bündeln Transaktionen zu Blocks. Bevor sie einen neuen Block vorschlagen können, müssen sie aufwendige kryptographische Aufgaben lösen. Das Verfahren wird Proof of Work, PoW, genannt. Es steht derzeit in der Kritik, weil diese Art des Minings enorme Rechnerpower benötigt und damit viel Strom verbraucht. In anderen Blockchains und Distributed Ledgers werden oft andere Verfahren genutzt.

Es gibt übrigens offene (permissionless, open public) Blockchains, dazu gehören die Bitcoin- und die Ethereum-Blockchain. Und es gibt geschlossene (permissioned, enterprise) Blockchains wie beispielsweise die verschiedenen Hyperledger Blockchain Frameworks, bei denen nur bestimmte Personen die Möglichkeit zur Beteiligung bekommen.

Wird die Blockchain-Technologie die Wirtschaft, vielleicht die Welt verändern?

Manche meinen, ja! Wir sollten uns darauf vorbereiten!

19 Branchen, welche die Blockchain-Technologie umkrempeln wird (19 Industries The Blockchain Will Disrupt) | Future Thinkers (auf YouTube)

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Geld, Internet, Mitreden | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Tomaten in der Blockchain

Die Blockchain-Technologie ist in und es werden immer neue Anwendungsmöglichkeiten erprobt – jetzt ist die Landwirtschaft dran. Erste Pilotprojekte, beispielsweise mit Tomaten, laufen. Die Blockchain-Technologie könnte einen Beitrag zur schnellen und zuverlässigen Überprüfbarkeit von Qualität, Herkunft und Nachhaltigkeit leisten.

Während Bitcoin und andere Kryptowährungen nur virtuell existieren, gibt es Tomaten wirklich. Doch ebenso wie beim Geld die Angaben über Transaktionen, sind bei Lebensmitteln die Angaben über Herkunft, Anbau, Transport, Lagerung und Verarbeitung durch Manipulation gefährdet. Das genaue Tracking und die Datenhaltung der gesammelten Informationen in einer Blockchain, einem verteilten Datenbankmanagementsystem, schützen davor.

Ripe.io ist ein amerikanischen Startup-Unternehmen zweier ehemaliger Wallstreet-Banker bzw. –Händler, Raja Ramachandran und Phil Harris, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Blockchain-Technologie für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, beispielsweise um Tracking-Informationen vom Anbauer bis zur Verwertung bei Tomaten vor Manipulation zu schützen.

Blockchain
Die Blockchain Technology (Blockketten-Technologie) ist eine dezentrale Verwaltungsmethode von Daten – beispielsweise Guthaben und Transaktionen, wie sie in einem Kassenbuch wären -, wobei die Transaktionen mittels kryptographischer Verfahren verschlüsselt und miteinander verkettet werden.
Da neue Transaktionen bzw. Blöcke der Kette auf älteren aufbauen und diese auf noch älteren und weil die Informationen verschlüsselt sind, ist die Kette nachträglich kaum veränderbar und so vor Manipulationen geschützt.
Das Konzept ist durch die Verwaltung der Kryptowährung Bitcoin bekannt geworden, aber im Prinzip kann fast alles, was übertragbar ist, sich in Datensätze fassen lässt und hohe Sicherheitsanforderungen stellt, auch über eine Blockchain sinnvoll(er) verwaltet werden.
Beispiel Bitcoin-Blockchain: Jeder Block der Kette enthält neben den ein oder mehr neuen Transaktionen sowie einer Prüfsumme auch die Information, welcher der Vorgänger-Block ist sowie verschlüsselte Informationen von diesem.

TED Talk: How the blockchain will radically transform the economy | Bettina Warburg

Tomatensorte Sungold F1

Tomatensorte ‚Sungold‘ F1

Ihr erstes Agrar-Blockchain-Projekt startete Ripe.io, zusammen mit Sweetgreen Inc., einem Franchise-Unternehmen, das in seinen Filialen frische, gesunde Salate anbietet (eine Art McDonald’s für gesunde Salate aus frischen Zutaten), und mit der Ward’s Berry Farm, einem Gemüseanbaubetrieb südwestlich von Boston/Massachusetts. Auf Geschmack und Qualität legt der Inhaber Ward besonderen Wert. Seit August werden bei ihm die Reife, Farbe und Zuckergehalt verschiedener Tomatensorten (‚Sweet 100‘ F1, ‚Sungold‘ F1) sowie deren Wachstumsfaktoren wie Licht, Temperatur und Luftfeuchtigkeit etc. gemessen und dokumentiert – Daten, die ihm helfen können, die Erntemenge- und –qualität zu erhöhen. Unterstützung erhielt Ward von Caroline Myran, einer Projektmanagerin von Ripe.io, die selbst aus der Landwirtschaft stammt und einen Master in nachhaltiger Landwirtschaft und Ernährung der University of Massachusetts in Amherst hat. Auch während des Transports wurden die Lagerbedingungen dokumentiert. Durch das Festhalten der gesammelten Daten in der Blockchain sollen dem Anbauer, dem Handel und den Restaurants jederzeit zuverlässig und schnell Informationen geliefert werden können.

Ripe.io steckt mit seinem Projekt noch in den Kinderschuhen und ist nicht das einzige Unternehmen auf diesem Feld. Auch IBM arbeitet zusammen mit Dole, Nestle, Unilever und Walmart an einem entsprechenden Projekt.

Von Blockchain-Projekten solle man sich keine Wunder erwarten, geben Vorsichtige zu bedenken, schließlich sei die Blockchain auch nur ein Werkzeug und kein Wundermittel.

Aber im Grunde ist der Wert jeder Datenbank abhängig davon, welche Daten wie zuverlässig gemessen und in sie hineingefüttert wurden und wie gut sie vor Manipulation geschützt sind. Gerade bei Produkten, bei denen die Herkunft und bestimmte Eigenschaften große Auswirkungen auf die Produktbezeichnung (Beispiel: Der Wein für Champagner muss in der Champagne in Frankreich nach vorgegebenen Regeln angebaut worden sein) und Kennzeichnung (Bio-Zertifikate, Regionale Herkunft) und damit indirekt auf den Preis haben, könnte die Blockchain schnellere und sichere Überprüfbarkeit schaffen. Das könnte möglicherweise auch helfen, mehr Kunden-/Verbrauchervertrauen in Verbrauchersiegel aufzubauen.

Anzeige

Mehr Informationen

Veröffentlicht unter Mitreden, Öko-/Bio-Themen | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Natur und wildes Leben im Garten und auf dem Balkon fördern

Ein Balkon oder ein Garten sind keine Naturlandschaft, sondern beide werden von den Eingriffen ihrer Besitzer geprägt. Auch der größte Teil unserer Landschaft ist nicht Natur-, sondern Kulturlandschaft. Angesichts des beängstigenden Artensterbens in Landschaft und Natur deutschland-, europa- und weltweit möchten sich neben den Naturschützern und Ökoanbauern auch viele Gartenbesitzer, Balkongärtner und Urban Gardener für Pflanzen und Tiere einsetzen, indem sie „Wildtiere“ wie Igel, Vögel, Bienen, Schmetterlinge und viele andere bei sich willkommen heißen und sie unterstützen.

Nützlinge fördern: Der Purpursonnenhut wird von Frühsommer bis Herbst von Nützlingen als Futterquelle genutzt.

Nützlinge fördern: Der Purpursonnenhut wird von Frühsommer bis Herbst von Bienen, Hummeln und anderen als Futterquelle genutzt.

Zu den Ursachen für das Artensterben in der freien Landschaft gehören die zunehmende Flächenversiegelung durch Bebauung, die Zergliederung von Landschaften durch Straßenbau sowie das Zusammenlegen von Feldern zu einheitlich genutzten Flächen, wodurch einerseits die blühenden Feldrandstreifen weniger werden und auf denen andererseits meist auch noch flächendeckend Unkrautvernichtungsmittel und andere Pestizide ausgebracht werden. Den Insekten und anderen Tieren fehlen dadurch ausreichend große zusammenhängende oder wenigstens nah beieinander liegende giftfreie Flächen mit den entsprechenden Futterpflanzen. Auch die Luft- und Umweltverschmutzung durch Verkehr, Landwirtschaft und Industrie macht nicht nur Menschen krank, sondern schadet auch Bienen, Schmetterlingen und vielen anderen Tieren. Und natürlich spielt auch der Klimawandel eine Rolle, denn wo sich das Klima verändert, müssen sich erst neue zum veränderten Standort passende Pflanzen- und Tiergemeinschaften entwickeln und stabilisieren.

Was können wir Hobbygärtner gegen das Individuen- und Artensterben tun (außer Einfluss auf die Politik zu nehmen)

Wer einen großen Garten mit unterschiedlichen Bedingungen (Sonne/Schatten, feucht/trocken) hat, kann für Vielfalt im Garten zu sorgen: Besonnte Natursteinmauern oder ein karg bewachsener Steingarten mit trockenheitsverträglichen Pflanzen neben Hecken, Gehölzgruppen oder Staudenbeeten bieten Zauneidechsen einerseits Sonnenplätze, aber auch gute Verstecke. Naturnahe Gartenteiche werden von Libellen und Wasserläufern besiedelt, gefolgt von Fröschen, Molchen, eventuell sogar Ringelnattern und Wasserfledermäusen.

Vögel kann man fördern, indem man sie an einem vor Katzen und anderen Räubern geschützten Futterplatz ganzjährig füttert und ihnen (und auch den Flederäusen) Nistkästen aufhängt.

Erwachsene Schmetterlinge und Raupen haben eine unterschiedliche Ernährung

Erwachsene Schmetterlinge und ihre Raupen haben eine unterschiedliche Ernährung.

Wenn auf Balkon und Terrasse oder im Garten von Frühjahr bis Herbst immer genügend Pollen- und Nektarspender blühen – das können Bäume, Sträucher, Stauden, Blumen oder Kräuter sein -, haben Bienen und viele andere nützlichen Insekten eine zuverlässige Futterquelle. Sie überstehen dann auch den Winter besser. Viele Staudengärtnereien, Baumschulen, Gartencenter und sogar Baumärkte haben inzwischen Sortimente an bienen- und schmetterlingsfreundlichen Pflanzen – man muss nur darauf achten, dass man die Blüher so auswählt, dass die ganze Flugsaison der fleißigen Tiere abgedeckt ist.

Anzeige

Ein Teil des Rasens kann vielleicht zur Blumenwiese oder in ein Wildstaudenbeet umgewandelt werden – das sieht schön aus, hat den Nützlingen mehr zu bieten und manche Staudenbeete benötigen weniger Pflegearbeit als Rasen.

Auf den Einsatz von Giften sollte man auf dem Balkon und im Garten möglichst ganz verzichten. Man muss nicht bei der ersten Blattlaus oder dem ersten Wiesen-„Unkraut“ Angst bekommen und die Chemiekeule herausholen. Oft regelt die Natur das Problem selbst – dann werden die Läuse von ihren natürlichen Gegenspielern wie dem Marienkäfer oder auch Vögeln vertilgt. Wichtig ist es, den Befall regelmäßig zu prüfen. Falls es doch zu viele Blattläuse werden und die Nützlinge nicht schnell genug in die Gänge kommen, gibt es weniger schädliche Bekämpfungsmethoden, siehe bei gartenprobleme.de.

Perfekter gepflegter Rasen ist zwar schön und weich, wenn man auf ihm läuft, aber er benötigt viel Pflege und hat einen hohen Düngerbedarf. Im Grunde ist er eine kleine Monokultur, die so an den wenigsten Standorten natürlich ist. Ein Rasen mit Blumen und Kräutern dagegen ist auch schön, aber wesentlich pflegeärmer – und Bienen und Hummeln freuen sich an Gänseblümchen, Löwenzahn und den anderen blühenden Kräutern und Wildstauden im Rasen (siehe auch Unkraut im Rasen bekämpfen oder sich daran erfreuen?).

Ein bisschen Unordnung hilft den Nützlingen

Man tut seinem Wildleben im Garten oder auf dem Balkon einen großen Gefallen, wenn man die Beete oder Pflanzgefäße vor dem Winter nicht komplett abräumt und umgräbt, so dass man den ganzen Winter lang nur den nackten Boden sieht. Igel, Wildbienen und andere Nützlinge benötigen Verstecke und Überwinterungsplätze, beispielsweise nutzen sie dafür Pflanzenreste, Reisig- und Laubhaufen, Vögel picken auch gerne die Samen sowie Insekten von stehengelassenen Pflanzen. Falls Sie es wegen der kritischen Nachbarn nicht über sich bringen, den Vorgarten nicht pingelig sauber aufzuräumen, richten sie den Nützlingen vielleicht hinter dem Haus ein paar für sie heimelige Plätze ein.

Igel suchen im Herbst einen Schlafplatz für den Winter

Igel suchen im Herbst einen Schlafplatz für den Winter

Wer einen Garten hat, sollte nach Möglichkeit auch einen Komposthaufen haben. Auf dem Komposthaufen werden Pflanzenabfälle zu wertvollem Dünger – das spart Geld, schont die Umwelt, weil weniger energieaufwendig hergestellter Dünger benötigt wird, und fördert die Bodenfruchtbarkeit.

Der Nutzen ist manchmal erst um einige Ecken erkennbar

Natürlich fördern wir am liebsten Insekten oder andere Tiere, die für uns nützlich sind oder die wir mögen – wie die Bienen, die bekanntlich unsere Obstbäume, das Gemüse und vieles andere bestäuben, oder Schwebfliegen, Marienkäfer und Florfliegen sowie auch Vögel, die die unbeliebten Blattläuse und andere Schädlinge vertilgen. Allerdings sollte man noch etwas weiter denken: Auch Insekten, die uns unsympathisch sind, weil sie uns stechen (Stechmücken) oder sonstwie lästig sind, haben in der Natur eine wichtige Funktion – und sei es als Futter für irgendeine Tierart, beispielsweise für insektenfressende Vögel, die wiederum bei einer Insektenplage im Garten oder auf dem Balkon hilfreich eingreifen, wenn wir sie bei uns im Garten angesiedelt haben.

Anzeige

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Garten und Pflanzen, Mitreden, Öko-/Bio-Themen, Pflanzenschutz, Urban Gardening | Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

MOOCs 2017 – was aus den Hoffnungen und Ängsten wurde

Ein MOOC ist ein Massive Open Online Course, ein für jeden über das Internet zugänglicher Kurs mit hohen Teilnehmerzahlen. Was ist vom Hype, von den hohen Erwartungen und den teilweise großen Ängsten der Anfangszeit geblieben? „MOOCs haben weit mehr Einfluss auf den Arbeitsmarkt als auf die Hochschulen“, sagt Rick Levin, Chief Executive Officer (CEO) der Lernplattform Coursera und emeritierter Präsident der Yale University, fünf Jahre nachdem der Hype begann.

Seit im Herbst 2011 die ersten großen MOOCs mit etwa 100.000 Teilnehmer pro Kurs von der amerikanischen Stanford Universität durchgeführt wurden, kam eine Lawine ins Rollen. Es entstanden kommerzielle und nicht-kommerzielle MOOC-Plattformen, auf denen Universitäten der ganzen Welt MOOCs anboten. Es gab große Erwartungen, einen regelrechten Hype, aber auch viel Skepsis und Befürchtungen.

MOOCs 2017 - was aus den Hoffnungen und Ängsten wurde.

MOOCs 2017 – was aus den Hoffnungen und Ängsten wurde.

Der Lehrstoff wird bei MOOCs in Lerneinheiten hauptsächlich über Videos vermittelt – entweder Aufzeichnungen oder gestreamte Live-Vorlesungen, die auf Computern und Notebooks genauso wie über Mobilgeräte angeschaut werden können. Bei kurzen Lernvideos gibt es nach jedem Video Quizzfragen, bei längeren Videos werden Zwischenquizzes ins Video eingebaut, um die Aufmerksamkeit und das Reflektieren zu fördern. Die Teilnehmenden erhalten außerdem Aufgaben, die selbstständig zu erfüllen sind und die je nachdem per Computer oder von den Studierenden gegenseitig bewertet oder begutachtet werden. Es gibt Diskussionsforen für den Austausch untereinander und mit den Dozenten beziehungsweise deren Unterstützerpersonal (oft Freiwillige mit eine Abschluss) und/oder es werden dafür Social-Media-Plattformen wie Reddit oder Facebook genutzt. Je nach Kurs finden Zwischen- und Abschlussprüfungen online statt oder sind Abschlussarbeiten abzuliefern. Für die MOOC-TeilnehmerInnen ist all das freiwillig – außer natürlich, sie möchten am Ende ein Zertifikat, Credits oder Ähnliches erhalten. Mehrere MOOCs können sogar zu einem Programm für einen Abschluss (Online-Master, Nanodegree, Spezialisierung) zusammengeschaltet werden – da wird dann natürlich besonders streng auf die Einhaltung vorgegebener Regeln geachtet.

Die ersten MOOCs versetzten viele in Euphorie – Teilnehmende wie mich, weil sie mir und anderen Menschen in aller Welt Zugang zu hochwertiger Bildung, die zunächst von amerikanischen Spitzenuniversitäten angeboten wurde, ermöglichten, und auf der anderen Seite engagierte Hochschuldozenten, weil sie die Möglichkeit bekamen, Wissen an eine viel größere Zahl von Menschen weltweit weiterzugeben.
Die Skeptiker dagegen befürchteten den Niedergang des bisherigen Bildungssystems und der Hochschulen. Sie wiesen gleich mit dem Finger darauf, dass nur ein kleiner Prozentsatz derer, die sich für Kurse registrieren, den Kurs mit allen Prüfungen abschließen – was aber daran liegt, dass sich manche zwar registrieren, aber doch nicht anfangen, andere nur schnuppern, ihr Wissen nur in Teilgebieten auffrischen oder ihr reguläres Studium ergänzen wollen (sie verschwenden ihre Zeit und eventuell Geld nicht für Prüfungen und ein Zertifikat, das sie nicht brauchen). Von den Skeptikern wurde ebenfalls unterstellt, dass die Studierenden nicht zu kritisch denkenden Menschen erzogen würden, weil ihnen die Diskussionspartner fehlten – was aber auch nicht stimmt, denn es gibt meistens Diskussionsforen, Social-Media-Gruppen und oft auch Online-Sprechstunden mit den Dozenten und ihrem Hilfspersonal, und es wurde infrage gestellt, dass MOOCs ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben können oder finanzierbar seien.

Meiner Erfahrung nach (ich habe inzwischen an vielen Informatik- und anderen MOOCs teilgenommen) und auch Studien zeigen, dass Online-Lernen mit MOOCs sehr effektiv ist. Schließlich kann man seine Lernvideos so oft zurückspulen, wie man will – solange, bis man sprachlich und inhaltlich jeden Sachverhalt komplett verstanden hat und das zugehörige Quizz richtig beantworten kann (und keiner der anderen Teilnehmenden muss davon wissen, wenn man ein Brett vor dem Kopf hatte). Videopassagen mit Lerninhalten, die man schon kennt oder die für einen selbst schnell zu verstehen sind, kann man dagegen bei einigen MOOC-Anbietern in höherer Geschwindigkeit ablaufen lassen und ist schneller durch – im Hörsaal würde man in solchen Phasen gedanklich abdriften und dadurch möglicherweise die nächsten interessanten Fakten oder Denkanstöße verpassen.

Rick Levin, Chief Executive Officer (CEO) der Lernplattform Coursera und emeritierter Präsident der Yale University, teilt in seinem Vortrag bei UCTV über die MOOCs und die Zukunft der Hochschulbildung seine Erfahrungen, Beobachtungen sowie die Ergebnisse einiger Studien. (-> Vortrag direkt bei Youtube)


„MOOCs haben weit mehr Einfluss auf den Arbeitsmarkt als auf die Hochschulen“, sagt Levin.

Die ersten MOOCs waren alle kostenlos, aber die Dozenten, die Technik, die Wissensaufbereitung und die Organisation sind teuer und müssen finanziert werden. Viele Kurse sind nach wie vor gebührenfrei, doch wer einen zertifizierten Abschluss o. ä. möchte, muss bezahlen, vor allem wenn es sich um Kursprogramme, bestehend aus mehreren Kursen, beispielsweise für einen Master-Abschluss o. Ä. handelt. Mit Kursen, die der Karriere förderlich sind, generieren die Kursanbieter inzwischen gute Einnahmen – Spitzenreiter sind laut Levin die Themen Datenverarbeitung/-auswertung, Business/Management, Informatik.

Mit MOOCs auf sozialer Mission
Laut Levin hat die MOOC-Plattform Coursere alleine 25 Millionen registrierte TeilnehmerInnen, 77 Prozent davon sind von außerhalb der USA, 45 Prozent wohnen in Entwicklungsländern!

Die meisten TeilnehmerInnen sind zwischen 22 und 45 Jahren alt – in dieser Gruppe sind auch die, die bereit sind, für ein Zertifikat oder eine Qualifizierung zu bezahlen – die Gruppe enthält Berufsanfänger, Weiterbildungs- und Umschulungswillige.

Fazit: Die Hochschulen erhalten durch die MOOCs, die sie anbieten, eine zusätzliche und viel größere Zuhörerschaft, als sie bisher hatten!
Laut Levin hat eine Studie gezeigt, dass weit über 80 Prozent derjenigen, die einen Coursera-Kursabschluss erlangt haben, nach eigenen Angaben davon profitierten, 33 Prozent sogar beträchtlich in Form eines neuen Jobs, einer Beförderung oder Gehaltserhöhung oder indem sie ein eigenes Unternehmen gründeten. Den größten Einfluss haben die durch MOOCs erworbenen Abschlüsse für Studierende mit niedreigem Einkommen in sich entwickelnden Ländern.

MOOCs sind für die Hochschulen nicht disruptiv, sondern schaffen neue Möglichkeiten
Eine Befürchtung mancher Skeptiker war, dass MOOCs das bisherige Hochschulwesen zerstören und durch etwas minderwertiges ersetzen könnten. Das hat sich nicht bewahrheitet. Die Hochschulen können mit MOOCs wichtige Aufgaben für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt erfüllen. Andererseits können MOOCs auch die herkömmliche Wissensvermittlung beim regulärem Hochschulstudium ergänzen.

Die Businessmodelle der MOOC-Plattformen entwickeln sich ebenfalls weiter. Unternehmen erkennen laut Levin zunehmend die Notwendigkeit, ihre Mitarbeiter weiterzubilden (Fortbildung, Umqualifizierung) – nicht zuletzt, um sich selbst als Arbeitgeber interessant zu machen. Diese Unternehmen sind wichtige Kunden für MOOC-Anbieter und MOOC-Plattformen, da sie selbst kaum in der Lage sind, alleine etwas gleichwertiges anzubieten.

Anzeige

MOOCs helfen auch Arbeitslosen, unterforderten oder unzufriedenen Mitarbeitern: Sie können sich leichter weiterbilden oder umschulen – auch in Eigeninitiative. Von den MOOCs können also Arbeitgeber und Arbeitnehmer profitieren, nicht zuletzt, weil Online-Masters nur 20 Prozent der regulären Hochschul-Masterabschlüsse kosten.

MOOCs sind dennoch keine Konkurrenz zum bisherigen System, denn diese Online-Teilnehmer sind im Durchschnitt älter und/oder hätten einen normalen Master vor Ort (und zum Normalpreis) gar nicht erwogen.

Das könnte Sie auch interessieren

Veröffentlicht unter Internet, Mitreden, Selbstverwirklichung, Weiterbildung | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar