Vertical Farming – was ist das eigentlich?

Vertical Farming treibt Zukunftsforscher, Gartenbauer und Städteplaner um und ist seit einiger Zeit auch eines der Buzzthemen in den Medien. Meist wird der Ausdruck im Zusammenhang mit Urban Gardening/Urban Farming, mit Indoor Farming und mit erdeloser Pflanzenkultur gebraucht. Doch man wundert sich: Manche reden schon beim Gebrauch eines einzelnen Balkonkastens von Vertical Farming, andere versuchen, Übereinander-Stecksysteme von Pflanzschalen mit diesem Buzzword zu vermarkten, und wieder andere bieten Pflanzenanbau-Schränke genannt plantCube für die Küche an, für die man statt eines grünen Daumens angeblich nur eine App braucht. Was ist Vertical Farming tatsächlich?

Ist ein Schrank mit zwei Fächern übereinander für den Pflanzenanbau, genannt plantCube, Vertical Farming?
Pitch auf der ECO15 Berlin von Maximilian Lössl/Agrilution für den plantCube
(YouTube, der plantCube ist bei 1:25/7:00 zu sehen)

Was ist Vertical Farming?

Vertical heißt übersetzt vertikal, Farming bedeutet Landwirtschaft oder Landbau. Vertical Farming ist also der landwirtschaftliche Anbau übereinander in Etagen statt Anbau auf nur einer Ebene, wie man es in der normalen Landwirtschaft im gewachsenen Boden hat. (Vertical Gardens, vertikale Gärten, schließen im Gegensatz zum Vertical Farming auch die Begrünung von Hauswänden zur Klimaverbesserung und zur Verschönerung mit ein.)

Etagenanbau von Kräutern in einem Regal

Auch das ist Vertical Farming:
Etagenanbau von Kräutern in einem Regal

Meist sind mit Vertical Farming Pflanzenfabriken und Pflanzenanbau-Container gemeint, in denen niedrige Nahrungspflanzen in Rinnen oder Tabletts übereinander in Regalfächern stehen. Das gibt es bereits in den Metropolen, vor allem in Amerika und Asien, aber auch in abgelegenen Gebieten mit schwierigem Klima oder Lichtverhältnissen. Bewässert und ernährt werden die Pflanzen in der fensterlosen Pflanzenfabrik und im Pflanzenanbau-Container über eine zirkulierende Nährlösung, Licht erhalten sie durch LED-Lampen. Diese Art vertikaler Anbau ist auch in einem Gewächshaus, wie beispielsweise im Turmgewächshaus von Othmar Ruthner in den 1960er Jahren oder im Gewächshaus auf einem Supermarktdach, möglich, wobei dann das natürliche Licht weitmöglichst genutzt wird – zumindest für die obersten und äußeren Pflanzen-; das hat allerdings den Nachteil, dass dann nicht mehr alle Pflanzen völlig gleich behandelt sind, was theoretisch Schwierigkeiten in der weiteren Steuerung und der automatisierten Ernte zur Folge haben kann.

Ist der Pflanzenanbau in einem umgebauten Frachtcontainer, hier genannt Leafy Green Machine, Vertical Farming?
2015 Leafy Green Machine by Feight Farms (YouTube)

Manche Visionäre des Vertical Farmings wie Dickson Despommier hatten sogar Wolkenkratzer, die in jedem Stockwerk eine Pflanzenfabrik für andere Nahrungspflanzen oder eine Tierzucht beherbergen, vor Augen. Inzwischen – siehe unten im Video – definiert Despommier eine Vertical Farm als jedes Gebäude, das höher ist als ein Gewächshaus und wo etwas drin wächst.

Father of Vertical Farming Answers: Can This Really Work (David Pakman Show, YouTube)

Was hat ein einzelner Balkonkasten mit Vertical Farming zu tun?
Einen einzigen Balkonkasten mit Kräutern würde ich jedenfalls nicht als Vertical Farming bezeichnen, aber wenn man eine Wand mit Haltern für viele Balkonkästen ausstattet oder ein Regal nutzt, wo zwecks besserer Platzausnutzung die Balkonkästen oder Töpfe übereinander angebracht sind, ist das per Definition durchaus vertikaler Anbau – auch wenn es nicht das ist, was die Visionäre oder die großen Technologieunternehmen, die mit den technikbasierten Pflanzenfabriken Geld verdienen wollen, darunter verstehen.

Teilweise werden kleinere (im Vergleich zur Pflanzenfabrik), vertikale Anbausysteme für niedrige Gemüse, Salate und Kräuter als schlüsselfertiges, automatisiertes vertikales System verkauft:

Wie ökologisch ist Vertical Faming?

Vertical Farming als Ausprägung des urbanen Anbaus ohne Boden und ohne erdeähnliche Substrate in Hydroponik wird von vielen kritisch gesehen: Wenn man nämlich eher dem biologischen Anbau (Organic Farming) anhängt, bei dem der gute Umgang mit dem Boden, die Pflege der Bodenlebewesen sowie die Kreislaufwirtschaft (Kompostierung von Pflanzenabfällen und Ausbringung des reifen Rotteprodukts als Dünger und Bodenverbesserer) eine zentrale Rolle spielen, schluckt man angesichts der erdelosen Kultur, dem Einsatz von mit hohem Energieaufwand hergestellten, mineralischen Stickstoffdünger für die Nährlösung und dem hohen Einsatz an Technik, der im Falle der Pflanzenfabriken nicht nur Ressourcen verbraucht, sondern auch den menschlichen Gärtner und Gartenarbeiter weitgehend überflüssig macht.

Was für den vertikalen Anbau allgemein und speziell den kommerziellen vertikalen Anbau in Pflanzenfabriken oder Pflanzenanbau-Containern spricht, sind vor allem die bessere Platzausnutzung, die Wetter- und Jahreszeitenunabhängigkeit und die Nähe zum Verbraucher (Frische, weniger Umweltbelastung durch Transport, weniger Verbrauch von Erde, leichtere Direktvermarktung). Wenn die Hydroponik als geschlossenes System durchgeführt wird, ist sie wasser- und nährstoffsparend. Werden Hydroponik, Aquakultur (Fischzucht) und spezielle Mikoroorganismen zur sogenannten Aquaponik kombiniert, werden die Fischausscheidungen als Pflanzendünger verwertet – was biologischen Ansprüchen schon näher kommt. Das gilt auch, wenn statt normaler mineralischer Hydroponikdünger zugelassene Biodünger + Mikroorganismen verwendet werden („Bioponik“). Zwar können die Produkte nicht als Bio nach europäischen Regeln deklariert werden, da kein Boden gepflegt wird, aber wenn ansonsten alles nach ökologischen Ansprüchen abläuft, wird auch ein umweltbewusster Verbraucher die Erzeugnisse vermutlich akzeptieren.

Mein Fazit

Weil die Menschen immer noch der Arbeit und einer ordentlichen Infrastruktur hinterherziehen müssen, wohnen sie zunehmend in Städten. Und dort wird Platz immer weniger und teuerer. Deshalb glaube ich, Vertical Farming wird sich weiterentwickeln und an Bedeutung gewinnen – und zwar sowohl was die hochtechnisierten Pflanzenfabriken als auch die kleinen Systeme im Privatbereich mit oder ohne viel Technik betrifft. Man sollte als Verbraucher allerdings immer kritisch bleiben, was einem mit solchen Buzzwords angedreht werden soll.

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Stauden auf dem heißen Dach

Jeder hat in seinem Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse Stellen mit schwierigen Standortbedingungen – beim einen ist es zu windig, beim anderen werfen die Bäume zu viel Schatten. Bei mir liegt die Standortschwierigkeit darin, dass mein Staudenbeet auf einem Tiefgaragendach direkt vor der heißen Südwand liegt. Meine Erfahrungen mit verschiedenen Stauden an diesem Standort.

Staudenbeet auf dem heißen Tiefgaragendach

Staudenbeet auf dem heißen Tiefgaragendach

Der Garten vor meiner Terrasse ist eigentlich ein begrüntes Tiefgaragendach. Die Erdauflage ist etwa 15 cm dick. Ein großer Teil der Fläche ist mit einem bunten Rasen (mancher würde stark „verunkrauteter“ Rasen sagen) bedeckt. Etwas geschützt unter einem Balkon steht eine über 2 m hohe Rose mit riesigen Blüten sowie an einer anderen Stelle vor einer Terrasse ein Stück Laubhecke – ehrlich gesagt, hätte ich mich nicht getraut, diese Gehölze bei der dünnen Erdauflage dorthin zu pflanzen, aber jemand anderes war mutiger und sie gedeihen seit mindestens 10 Jahren sehr gut, jedenfalls, wenn man sie während Sommerhitzephasen gießt.

Hummel an Purpursonnenhut

Hummel an Purpursonnenhut

Wie in meinem Gartensaison-Gartenblog beschrieben, habe ich im Herbst 2012 ein Staudenbeet zwischen der Terrasse und der wüchsigen Rose direkt vor der Südwand des Wohnhauses angelegt. Es sollte ein bisschen „Prairieflair“ haben, weshalb ich Gräser und andere Stauden mischte, die meiner Erwartung nach mit den schwierigen Standortverhältnissen (flirrende Hitze, wenig Wasser- und Nährstoffreserve im Boden, bei Starkregen wiederum kurzfristige Übernässung) zurechtkommen würden. Und natürlich wollte ich, dass auch Bienen, Hummeln und andere Nützlinge sowie Schmetterlinge ihre Freude haben.

Die meisten meiner Stauden haben sich wirklich wunderschön entwickelt, aber es gab auch einige, die es nicht gepackt haben, darüber unten mehr.

Dachbegrünung mit Pflege

Mein Staudenbeet sieht vielleicht ein bisschen wild aus, aber es ist keine extensive Dachbegrünung, also keine, die man sich selbst überlassen kann. Meine Pflegearbeiten bestehen aus Düngen im Frühjahr mit einem organischen Dünger, umweltverträglichem Schneckenkorn während des Austriebs um gefährdete Pflanzen wie Purpur-Sonnenhut und Duftnessel. Während längerer Trockenperioden gieße ich alle zwei Tage mit dem Schlauch – aber nicht zu viel. Wenn ich Zeit habe und dran denke, entferne ich verwelkte Blüten, um den Blütennachtrieb anzuregen.

Im Spätherbst schneide ich nur optisch störende Triebspitzen weg, das meiste abgestorbene Pflanzenmaterial lasse ich aber über den Winter als Mulch und Winterschutz stehen. Erst im Frühjahr vor/mit dem Austrieb entferne ich die restlichen abgestorbenen Triebe. Ich versuche regelmäßig Unkrautblätter und Rasenschnitt in kleinen Mengen zwischen die Stauden zu streuen. Zu viel darf es nicht sein, da der lehmige Boden sonst zu wenig Luft bekommt.

Stauden, die sich bewährt haben

Diese Stauden kann ich nach meinen Erfahrungen für solch einen schwierigen Standort auf dem Tiefgaragendach empfehlen.

Neben der Rose, wo es besonders trocken ist, stehen in etwa 70 cm Entfernung vom Stock seit zwei Jahren Kuhschellen. Zusammen mit den Krokussen und Tulpen, die ich über das Beet und verschieden Kübel im Terrassenbereich verteilt habe, sind sie die Frühjahrsblüher in meinem Beet.

Nach ihnen blüht der Purpur-Kugellauch (Allium aflatunense ‚Purple Sensation‘) mit seinen prächtigen violetten Kugeln. Ich habe ihn in kleinen Gruppen über das Beet verteilt gepflanzt. Bald gesellen sich die große Rose und eine kleine Bodendeckerrose, die ich auf der anderen Seite in einem Kübel habe, zu den Blühern dazu.

Der Frauenmantel war auch von Anfang an dabei – nicht weil ich ihn so schön finde, sondern weil er den Boden im Frühjahr schnell bedeckt und die anderen Stauden durch ihn auch besser zur Geltung kommen. Er kommt mit dem Standort gut zurecht. Wenn die Blüten oder ältere Blätter im Laufe des Sommers unansehnlich werden, schneide ich sie ab.

Nicht weit von der großen Rose treibt das grünlaubige Chinaschilf (Miscanthus sinensis), das mir eigentlich als rotes Federborstengras (Pennisetum) zugeschickt worden war, immer stärker. Die drei Horste habe ich in einen eingegrabenen Plastikbehälter mit vielen Ablauflöchern gepflanzt, um das Dach vor ihren Wurzeln zu schützen – ob das wirklich nötig gewesen ist, kann ich nicht sagen. Das Chinaschilf ist jedes Jahr seit 2012 wieder ausgetrieben. Im Frühjahr muss man lange warten, ob da wieder etwas kommt, aber im Sommer sehen sie dann doch wieder gesund und schön aus.

Kleinkugeliger Kugellauch, Frauenmantel, Taglilie und Federborstengras

Kleinkugeliger Kugellauch, Frauenmantel, Taglilie und Chinaschilf (von vorne nach hinten)

Einige Wochen nach dem Purpur-Kugellauch zeigt auch der kleinkugelige Kugellauch (Allium sphaerocephalon) seine Farbe. Er ist bei mir der Vorbote für den Purpursonnenhut an.

Ab Juli beginnt dann endlich die Blüte des Purpursonnenhuts (Echinacea purpurea ‚Magnus‘). Er wurde seit 2012 von Jahr zu Jahr schöner. Lediglich in einem Jahr waren die Schnecken schneller als ich und fraßen den gesamten Neutrieb ab. Ich streute dann das umweltfreundliche Schneckenkorn. Die Pflanzen trieben zum Glück neu aus und entwickelten sich doch noch sehr schön. Nur die Blütezeit verschob sich in besagtem Jahr dadurch etwas nach hinten.

 

 

 

Duftnessel - Blütenstand mit Hummel

Duftnessel – Blütenstand mit Hummel

Die Duftnessel (Agastache-Hybride ‚Ayala‘) habe ich im Herbst 2013, ein Jahr nach dem Purpursonnenhut gepflanzt, weil ich das Beet mit den Blütenkerzen optisch etwas auflockern wollte. 2014 und 2015 entwickelte sie sich wunderschön – allerdings nur eine von den beiden Pflanzen, die andere trieb nie aus. Die Duftnessel wächst noch im Laufe des Sommers und ihre Blütenstände werden immer auffälliger und schöner. Doch im Frühjahr muss man sie vor Schnecken und allem, was den jungen Austrieb gefährdet, schützen. 2016 habe ich zwar die Schnecken weitgehend abhalten können, doch brach der Austrieb bei einem Gewitter durch den Druck der benachbarten Pflanzen. Sie erholte sich nicht. Aber da sie so schön war, werde ich sie im Herbst 2016 ersetzen.

Auf einer Seite des Staudenbeetes habe ich im Mai 2014 vor die hohen Stauden Lavendel (Lavendula angustifolia ‚Dwarf Blue‘) gesetzt. Ihm scheint es dort zu gefallen. An der Stelle waren die Jahre davor Ansiedlungsversuche mit Steppensalbei gescheitert.

Purpursonnenhut (pink), Eisenkraut (blau), Steppenkerze (weiß) und andere

Purpursonnenhut (pink), Patagonisches Eisenkraut (blau), Prachtkerze (weiß) und andere Stauden

Die rotblühenden Taglilien (Hemerocallis) und die weißen Prachtkerzen (Gaura) waren Geschenke von meiner Blumenfreundin Fiona (https://www.nature-to-print.de/). Die Taglilien machen sich wunderschön neben dem Chinaschilf und über den Frauenmantelblüten – es wirkt wie eine natürliche Gemeinschaft. Auch die weißen Prachtkerzen sind eine Bereicherung für das Beet: Die weißen Blüten sitzen wie Schmetterlinge an den Pflanzen. Die Taglilien, die Prachtkerzen sowie die kleinen Kugeln des Kugelköpfigen Lauchs und der Lavendel überbrücken die Zeit zwischen der Blüte vom Purpur-Kugellauch und der des Purpursonnenhuts.

Eine Aster, die ich vor Jahren im September als kleinen Topf gekauft und im Spätherbst ins Beet gesetzt habe, beendet das Gartenjahr im Staudenbeet in Lila – meist umrankt von selbst ausgesäter gelb- und orangefarbener Kapuzinerkresse.

Stauden, die sich noch bewähren müssen

Prachtkerze (weiß) und Patagonisches Eisenkraut (blau) haben sich nach dem Regen umgelegt. Inzwischen bekamen sie versteckte Stützen.

Prachtkerze (weiß) und Patagonisches Eisenkraut (blau) haben sich nach dem Regen umgelegt. Inzwischen bekamen sie versteckte Stützen.

In diesem Jahr zum ersten Mal blüht seit Juni das Patagonische Eisenkraut (Verbena bonariensis). Die Pflanze ist kräftig und die Blüten, die ab Juni erschienen sind, haben eine schöne Farbe, doch kommt die Pflanze und ihre Blüten wegen ihrer Höhe in meinem schmalen Beet vor der Hauswand nicht so zur Geltung, wie sie es verdient hätte.
Zwei weitere Staudenarten, die ich letzten Herbst gepflanzt habe und die sich noch bewähren müssen sind Stachelnüsschen, Acaena microphylla ‚Kupferteppich‘ und Garten-Fettblatt, Sedum telephium ‚Xenox‘. Ich habe sie hinter die Kuhschellen zwischen die hohe Rose und die Federborstengräser gepflanzt – dort ist es – auch wegen des überdachenden Balkons extrem trocken.

Stauden, die nur zu Besuch da waren

Diese Stauden konnte ich nicht dauerhaft im Beet ansiedeln. Sie erschienen nach ein oder zwei Jahren nicht mehr. Ob das in jedem Fall am Standort lag, an der Dichte, die inzwischen herrscht und die ich auch möchte, oder ob es einfach ein Einzelfall war, kann ich nicht sagen.

Regenbogen-Schwingel (Festuca amethystina)
Steppensalbei (Salvia nemorosa ‚Ostfriesland‘)
Schafgarbe (Achillea filipendulina-Hybride ‚Feuerland‘)

Wenn Ihr auch zum Thema Stauden an einem schwierigen Standort o. Ä. gebloggt habt, stellt euren Beitrag gerne in einem Kommentar mit Link dorthin vor.

Mehr Informationen zur Gestaltung mit Stauden

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Gartentherapie: Gärtnern für die Seele

„Willst du einen Tag glücklich sein, betrinke dich. Willst du eine Woche glücklich sein, nimm dir eine Frau. Willst du für immer glücklich sein, pflanze einen Garten“. Diese schöne Weisheit geistert als angeblich chinesisches Sprichwort in verschiedenen Variationen durch den deutschen und den englischsprachigen Raum. Und es ist etwas Wahres dran, auch wenn der Spruch laut Website des Ostasieninstituts der Hochschule Ludwigshafen am Rhein in China gar nicht bekannt ist.

Gärtnern tut der Seele gut

Gärtnern tut der Seele gut

Dass Gärtnern glücklich macht, stimmt für viele Menschen. Garten ist Naturerlebnis, Gärtnern rückt die Dinge wieder an die richtige Stelle, weckt die Kreativität, entspannt und vieles mehr.

Gartentherapie

Doch das ist nicht alles. Gärtnern wird inzwischen auch als unterstützende Therapie für autistische Kinder, Schmerzpatienten, in der Jugend- und Altenpflege, bei posttraumatischen Belastungsstörungen, in Suchtkliniken und im Strafvollzug genutzt.


Natürlich schickt man die Patienten nicht einfach in den Garten und da sollen sie mal machen, sondern unter der Anleitung von PsychologInnen und GartentherapeutInnen graben sie in der Erde, füllen Töpfe, säen, pflanzen und pflegen, binden Sträuße und anderes mehr, was die sensorische Wahrnehmung anregt, die Konzentrationsfähigkeit erhöht, die Fein- und Grobmotorik oder anderes verbessern hilft.

Die Gartentherapie war zuerst ein Nischenthema. In Deutschland setzte sich vor allem Andreas Niepel, Leiter der Abteilung Garten/Gartentherapie an der HELIOS Klinik Holthausen, dafür ein. Inzwischen ist die Gartentherapie weltweit anerkannt, es gibt entsprechende Informationsstrukturen, Ausbildungswege und Weiterbildungen – nicht nur bei uns in Deutschland, sondern auch in den USA, Indien und anderen Ländern.

Gärtnern als Therapie im Alltag

Auch ganz gesunde Menschen können von der Gartentherapie profitieren, beispielsweise hilft sie beim Stress- und Frustabbau und kann das Lebensgefühl verbessern.

Möglicherweise liegt die positive Wirkung der Gartentherapie nicht nur an der gärtnerischen Tätigkeit an sich und dem Arbeiten mit der Natur. Schon 2007 haben Forscher der Bristol University und des University College London einen Zusammenhang zwischen dem Kontakt mit Bodenbakterien (Mycobacterium vaccae) und dem Ausstoß des Glückshormons Serotonin gefunden. Gerade wenn das Immunsystem aus dem Gleichgewicht geraten ist, neigen manche Menschen zu Depressionen. Der Kontakt mit Erde und den darin enthaltenen Bakterien kann den Ausstoß von Serotonin ankurbeln, ähnlich wie den Serotoninausstoß fördernde Anti-Depressiva.

Informationen zur Gartentherapie und zur Ausbildung

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Wasser sparen durch nützliche Bodenpilze

Dass Pflanzen mit den Mikroorganismen in ihrer Umgebung, besonders im Wurzelbereich, zusammenarbeiten, ist bekannt. Was liegt da näher, als den Boden mit Mikroorganismen zu beimpfen, die das Wurzelwachstum fördern und so die Pflanzen widerstandsfähiger gegen Wasserknappheit machen.

Und tatsächlich: Durch die Beimpfung von Erdbeerpflanzenwurzeln mit natürlich vorkommenden Bodenpilzen konnten bis zu 40 Prozent Wasser eingespart werden, ohne dass die Erdbeerernte geringer wurde. Dies schreiben Louisa Robinson-Boyer, Doktorandin am East Malling Research (EMR) Institut in Kent (United Kingdom), und ihre Kollegen in einer Veröffentlichung.

Diese Erkenntnis ist besonders für Gärtner in regenarmen Regionen eine gute Nachricht, vor allem für solche, die mit Bewässerungseinschränkungen und/oder hohen Wasserpreisen leben müssen. Aber angesichts des Klimawandels könnten diese wissenschaftlichen Erkenntnisse auch für viele andere relevant sein – und zwar nicht nur für solche, die Erdbeeren anbauen, sondern für fast alle Gärtner und Hobbygärtner, denn tatsächlich können 80 Prozent aller Landpflanzen von solchen arbuskulären Mykorrhizapilzen, Arbuscular Mycorrhizal Fungi (AMF), kolonisiert werden, lediglich Pflanzen der Kreuzblütlerfamilie und der Ericaceae nicht.
AMF sind uralte Organismen, es gibt sie sogar länger als Landpflanzen. Sie gehen eine Symbiose mit den Pflanzenwurzeln ein und erweitern über ihre eigene Verzweigung, genauer: über ein Hyphennetz um die Wurzeln herum, das Wurzelsystem der Pflanzen, wodurch diese ihr Substrat und was darin ist wesentlich effizienter nutzen. Als „Gegenleistung“ erhalten die Pilze einen Teil der Assimilate – das sind die energiereichen Stoffe, die die Pflanzen mithilfe des Sonnenlichts aufbauen.

AMF sind schon lange dafür bekannt, dass sie die Nährstoffaufnahme und die Stressverträglichkeit von Pflanzen verbessern und ihre Abwehrkräfte gegenüber Krankheitserregern erhöhen. Nun zeigte sich, dass sie auch die Wasseraufnahme optimieren.

Wie das funktioniert zeigt das Video The New Green Revolution: Arbuscular mycorrhizas der Microbiology Society.

Robinson-Boyer erzielte bei ihren Versuchen mit Funneliformis mosseae, F. geosporus sowie einer Kombination von beiden ähnlich gute Ergebnisse. Nach ihrer Einschätzung sollten bei Gemüse und Zierpflanzen ähnlich positive Ergebnisse erreicht werden können wie bei Erdbeeren.

Es gibt laut Robinson-Boyer erste Hinweise darauf, dass AMF auch in hydroponischen Systemen funktionieren, zumindest in Kokosfasersubstrat wurden solche Effekte beobachtet. Ansonsten wird an diesem Thema geforscht.

AMF gibt es bereits als Produkt im Handel, beispielsweise unter der Marke „Rootgrow Mycorrhizal Fungi“.

Ich selbst habe noch keine Erfahrung mit den Produkten, sondern hoffe, mit Bodenpflegemaßnahmen wie organische Düngung, Mulchen, kein Umgraben etc. dafür zu sorgen, dass sich das natürliche Bodenleben mit der Zeit besser entfalten kann. Falls Sie/ihr schon nützliche Bodenpilze bzw. Produkte mit arbuskulären Mykorrhizapilzen gezielt eingesetzt habt, wäre es interessant, wenn ihr eure Erfahrungen über die Kommentare mit uns anderen teilt.

Quelle

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